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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Mittwoch, 03.01.2018

Wenn Trockenheit zur Normalität wird

Seit 1. Januar dürfen Menschen im südafrikanischen Kapstadt nur noch 40 Liter Trinkwasser pro Tag und Haushalt benutzen - halb so viel wie noch im Dezember. Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht ein Vier-Personen-Haushalt durchschnittlich 480 Liter Wasser pro Tag.

Der Grund für die drastische Einschränkung in Südafrika: Es herrscht seit Monaten eine extreme Dürre. Wenn der Regen weiter ausbleibt, könnte die Stadt schon im April 2018 die Wasserhähne komplett zudrehen. Würde dieser "Tag Null" tatsächlich eintreten, müssten sich die rund 4,5 Millionen Einwohner ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen. Täglich würde es dann in einer der höchstentwickelten Städte Afrikas nur noch 25 Liter Wasser pro Person geben - das empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Hygiene.

Das Magazin Nature Climate Change berichtet jetzt über eine Studie, die den südafrikanischen Wassermangel bei steigender Erderwärmung zur Normalität erhebt. Wissenschaftler der Universität Shenzhen haben in 27 Klimamodellen  bei zwei Emissionsszenarien das Verhältnis von Niederschlag zu Verdunstung für verschiedene Regionen der Erde von 1861 bis 2100 untersucht. Ergebnis: Bereits bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad gegenüber präindustriellen Werten wird sich die Aridität in einigen Gebieten substanziell ändern. Zu den am stärksten betroffenen Gebieten gehören Südeuropa, der Süden Afrikas, weite Teile der USA sowie Südamerikas. Bis zu einem Drittel der Landoberfläche wird unter verstärkter Trockenheit leiden.

Die Chance, die Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad zu begrenzen, liegt aber nur noch bei fünf Prozent, wie Klimaforscher ermittelten. Selbst wenn man sofort alle Treibhausgas-Emissionen weltweit stoppen würde, steigen die Temperaturen bis 2100 in jedem Falle um 1,3 Grad. Das Klimaschutzziel von Paris ist daher nur noch mit drastischen, schnellen Maßnahmen zu erreichen, die Politik aber verweigert selbst die Wahrnehmung des Problems.

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