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Kopf und Körper

Christian Gesellmann
Autor und Reporter

Geboren 1984 in Zwickau, Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Germanistik in Jena und Perugia. Volontariat bei der Tageszeitung Freie Presse, anschließend zweieinhalb Jahre als Redakteur in Zwickau. Lebt als freier Autor in Berlin und Bukarest. Quoten-Ossi bei Krautreporter.

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piqer: Christian Gesellmann
Sonntag, 08.01.2017

Die Liebe, sie ist hundsgemein!

In der letzten Ausgabe der Zeit war ein Artikel über Co-Elternschaft, ein Beziehungsmodell, bei dem sich zwei Partner zum Zweck der Reproduktion zusammentun, ohne in einer Beziehung zu leben — sie lernen sich in der Regel über Dating-Portale kennen, um später gemeinsam oder abwechselnd Eltern zu sein, im besten Fall Freunde zu werden, aber kein Pärchen. Liebe macht doch alles nur kompliziert, ist unzuverlässig und überhaupt, Liebe ist, wenn man da mal wissenschaftlich rangeht, letztlich nur Ebbe und Flut in der Gehirnchemie, wird eine Frau zitiert, die sich mit einem guten Freund entschied, gemeinsam ein Kind groß zuziehen. Ironischerweise verliebte sie sich dann doch in den Freund, der zwar mit ihr bei der ganzen Verwirrte-Chemie-These übereinstimmte, sie aus sicherlich komplett rationalen Gründen dann aber mit dem Baby sitzen ließ. 

Kleiner Gedankensprung zum Hund meiner Mutter. Ein Jack Russel Terrier, der vortäuscht, sich zu freuen, wenn ich zu Besuch komme, und vortäuscht, schwer am Bein verletzt zu sein, wenn ich mit ihm rausgehen will. Ein Hund, der bei meinen Eltern ganz schlimme Anfälle von Gutschi-Gutschi-Gu auslöst. Glücklicherweise ist das Spiel, mit dem man die Liebe eines Hundes gewinnen kann, eines, das man auch spielen kann, wenn man den Hund hasst. Man muss nicht besonders empathisch sein, um ein Stöckchen zu verstecken oder ins Wasser zu werfen. 

Eigentlich ganz drollig, wenn der kleine Scheißer zum Sprint ansetzt. Oder wenn er einen Bauchklatscher in den Bach macht. Eigentlich wirklich gemein, wenn das Stöckchen sich im Baum verfangen hat und er davor steht und fiept. Ja gut, irgendwie mag ich den Hund doch ganz gern. Unfreiwillig. 

Die Ironie der Ironie ist, dass die Liebe-ist-Chemie-These gar nicht so falsch ist — und für Mensch/Mensch, Mensch/Tier und Tier/Tier gleichermaßen gilt. Paul Zak beschriebt hier für The Atlantic das schuldige Hormon: Oxytocin. Das Versöhnliche daran ist, dass zumindest die Chemie nicht unberechenbar ist.

Die Liebe, sie ist hundsgemein!
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