Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Fundstücke

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
Zum piqer-Profil
piqer: Christian Huberts
Montag, 05.12.2016

Gut Katzending will Weile haben…

»Ein stilles Meisterwerk«, so nennt Christian Stöcker – vor mehr als zehn Jahren auf Spiegel Online – das Spiel Shadow of the Colossus. Ein Urteil, dem ich mich bis heute anschließe. Zusammen mit dem inoffiziellen Vorgänger ICO, gehört der epische Kampf gegen gigantische Steinriesen zu den modernen Pionieren des Mediums. Und das obwohl, wie Stöcker schreibt, das Spiel eigentlich alles falsch macht. ICO und Shadow of the Colossus verzichten auf ein überfülltes Interface, auf Dauer-Action, auf eindeutige Moral sowie auf viele weitere, vermeintlich obligatorische Bestandteile von Computerspielen. Stattdessen bieten sie Melancholie, ästhetische Leerräume und eine visionäre Kompromisslosigkeit, die bis heute selten in der Spielkultur ist. Umso besser, dass mit The Last Guardian ein ideeller Nachfolger angekündigt wurde. 2007 – also vor neun Jahren. Heute ist das Spiel offiziell erschienen.

Eine so krisengeplagte und lange Entwicklungszeit – spätestens seit dem 15-Jahre-Rekord von Duke Nukem Forever ist das klar – sorgt selten für Qualität. Und so ist die Angst ebenso groß wie berechtigt, dass das Spiel um die Freundschaft eines Kindes mit einem Katzenmonster eine Gurke geworden ist. Oder schlimmer: Vielleicht ist die Vision von 2007 heute nur noch unzeitgemäßes Mittelmaß, denn schließlich hat sich der Rest der Spielkultur ebenso weiterentwickelt. Ein erster Schub von Reviews gibt noch keine klare Antwort. Für Polygon wird The Last Guardian seinen Vorgängern nicht gerecht – von den Macken in der Technik und der Steuerung einmal abgesehen. Eurogamer.net spricht hingegen eine uneingeschränkte Empfehlung aus – trotz und wegen der Macken. Und ich werde wahrscheinlich wieder einmal auf das Urteil von Christian Stöcker bei Spiegel Online vertrauen:

Das Spiel beweist, dass die teils unerträgliche Formelhaftigkeit und Gleichförmigkeit moderner Videospielproduktionen nicht unausweichlich ist. Es ist ein Kunstwerk, das einen bezaubern, zur Weißglut treiben und zu Tränen rühren kann.
Gut Katzending will Weile haben…
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!