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Fundstücke

Deutschland als sicherer Hafen für Menschenrechtsverbrecher

Jürgen Klute
Theologe, Publizist und Politiker
Zum piqer-Profil
Jürgen KluteSamstag, 15.10.2022

Nicht allen Leserinnen und Lesern wird die „Colonia Dignidad“ noch in Erinnerung sein. Dafür ist sie schon zulange Geschichte. Aber ihre Geschichte strahlt aus bis in die Gegenwart.

„Colonia Dignidad“ ist sowohl der Name einer 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer in Chile gegründeten christlichen Sekte, als auch der Name der Siedlung dieser Sekte. Anders als die Bezeichnung christliche Sekte vermuten lässt, war dieser Ort kein religiöser, sondern ein nach außen stark abgeschotteter Ort, in dem Misshandlung und Unterdrückung an der Tagesordnung waren. Der als rechtsradikal einzustufende Sektengründer pflegte enge Beziehungen zum damaligen rechtsextremen chilenischen Diktator Augusto Pinochet, der 1973 durch einen Putsch gegen den gewählten linken Präsidenten Salvador Allende an die Macht kam. Schäfer machte die „Colonia Dignidad“ zu einem Folterzentrum des chilenischen Geheimdienstes DINA während der Militärdiktatur, in dem nicht nur gefoltert wurde, sondern in dem auch etliche Oppositionelle verschwanden, also ermordet wurden. Formal wurde die „Colonia Dignidad“ 1991 aufgelöst.

In diesen Tagen wurde die Aufmerksamkeit erneut auf die „Colonia Dignidad“ gelenkt, als der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow in seiner Funktion als Präsident des Bundesrates während eines politischen Besuches in Chile auch den Ort der Folterstätte besuchte.

Martin Knobbe hat dies zum Anlass genommen für ein Interview mit Jan Stehle, der seit Jahren zur Geschichte der „Colonia Dignidad“ forscht. Stehle interessiert sich allerdings nicht nur für die engere Geschichte dieser Sekte, sondern vielmehr für die „erhebliche Mitverantwortung der bundesdeutschen Außenpolitik und Justiz für die Verbrechen der Colonia Dignidad“. Dem entsprechend zeigt Stehle in dem Interview die verstörende Rolle bundesdeutscher Politik, Behörden und Justiz im Blick auf die „Colonia Dignidad“. So hat die Ignoranz der deutschen Justiz – vor allem der Düsseldorfer – dazu geführt, dass für die Täter Deutschland eine Art sicherer Hafen werden konnte, in dem sie bis heute vor Strafverfolgung geschützt sind, obgleich sie nach Stehle für eines der größten Menschenrechtsverbrechen nach 1945 verantwortlich sind.

Nach dem Lesen dieses für mich verstörenden Interviews schleicht sich der Eindruck ins Bewusstsein, dass der Ungeist des Nationalsozialismus noch immer nicht Geschichte ist. Mit dem Besuch von Bodo Ramelow als einem der ranghöchsten politischen Repräsentanten der Bundesrepublik am Ort dieser Verbrechen wurde die lange Tradition der Ignoranz und des Wegschauens angesichts der über viele Jahre andauernden Menschenrechtsverbrechen in der "Colonia Dignidad" zumindest punktuell unterbrochen.

Deutschland als sicherer Hafen für Menschenrechtsverbrecher

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Kommentare 2
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Ergänzend bewegte Bilder von der Colonia Dignidad
    https://www.youtube.co...

    1. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor 3 Monaten

      Danke für die Ergänzung.

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