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Flucht und Einwanderung

J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung
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piqer: J. Olaf Kleist
Samstag, 21.04.2018

Warum brauchen wir „AnKER-Zentren“?

Diese Frage stellte Spiegel Online dem Innenminister und die Antwort (Paywall) ist klar: Um Asylverfahren zu beschleunigen und Abschiebungen zu erleichtern. Doch fragt man nach, was genau dabei helfen soll, so geht es um personelle Aufstockung des BAMF und der Verwaltungsgerichte. Um Verhandlungen mit den Herkunfts- bzw. Rücknahmestaaten oder das Einsetzen von Charterflügen statt Linienflügen. Das hat alles nichts mit AnKER-Zentren zu tun. Das Argument ist, dass Behörden leichter Zugriff auf Asylbewerber hätten – aber das ist tatsächlich nicht das Problem, weshalb Verfahren so lange dauern (doch eher anders herum, die Schwierigkeit von Asylsuchenden auf die Behörden zugreifen zu können). Insofern die Zentren auch keine Gefängnisse sein sollen (das seien "Schauermärchen", laut Seehofer) helfen sie letztlich auch nicht, abgelehnte Asylbewerber abschieben zu können. AnKER-Zentren sind die völlig falsche Antwort, die die Kosten einer schwierigen Politik gänzlich den Geflüchteten auferlegt und so versucht, die Verantwortung der Politik durch Härte zu verschleiern. Daher wäre es für die Medien wichtig, nicht nur mit dem Innenminister zu sprechen, sondern auch mit jenen, die davon betroffen sind: Geflüchtete. Was würden die AnKER-Zentren für sie bedeuten? Was für geflüchtete Kinder und ihre Schulpflicht? Welche Auswirkung hat es für das Zusammenleben Geflüchteter, teils traumatisierter, in Zentren mit "nicht viel mehr als tausend Menschen" zu leben, anstatt Asylbewerber dezentral unterzubringen. Was bedeutet es für die Unterstützer und für Anwälte, wenn Sie nur mit Erlaubnis in die Zentren dürfen. Wissenschaftler*innen haben aus vielen Untersuchungen einige Vorstellungen darüber, was das bedeutet und welche Konflikte und Probleme all dies mit sich bringen wird. Diese Perspektive, die in der Debatte zu kurz kommt, kann hier schön und übersichtlich nachgelesen werden.

Warum brauchen wir „AnKER-Zentren“?
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