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Flucht und Einwanderung

Jürgen Klute
Theologe, Publizist und Politiker
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piqer: Jürgen Klute
Mittwoch, 27.12.2017

"Man hält sich für eine Elite, die dazu berufen ist, das deutsche Volk zu verteidigen"

In kaum einem anderen Land der EU sind Flüchtlinge und Asylsuchende seit 2015 einem solch massiven Terror von rechts ausgesetzt wie in der BRD. Hunderte von Flüchtlingsheimen wurden angegriffen und teils in Brand gesetzt. Mehrere Tausend Straftaten gegen Flüchtlinge wurden seit 2015 registriert. Aber nur in wenigen Fällen werden die Täter zur Rechenschaft gezogen.

Einer dieser wenigen Fälle ist der Terroranschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Freital in Sachsen. Dieser Anschlag wird tatsächlich als Terrorismus vor Gericht verhandelt. 

Martin Steinhagen hat  Kristin Pietrzyk, die eines der Anschlagopfer in dem Prozess gegen die "Gruppe Freital" vertritt, zu diesem Prozess befragt. Ihre Antworten geben einen differenzierten und alarmierenden Einblick in die Motive und Hintergründe dieses Anschlags, in den (lokalen) gesellschaftspolitischen Kontext, durch den die Täter sich gestärkt fühlten, sowie in die Reaktion von Polizei und Dresdner Staatsanwaltschaft. 

Ich denke man muss das als Chronologie betrachten. Es gibt Anfang 2015 die Mitteilung, dass das Freitaler Hotel Leonardo zu einer Erstunterkunft werden soll. Dann regt sich dagegen Protest, der erst sehr von Anwohnern getragen scheint, eher Wutbürger als Polit-Strategen. Wenn man aber hinter die Fassade schaut, sieht man, dass NPD-Politiker da mitgemischt haben. Das macht deutlich, dass hinter diesem bundesweiten Nein-zum-Heim-Demo-Trend schon eine politische Agenda steckte.

Eine Agenda, die allerdings von einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung akzeptiert wurde und wird. Eine Agenda, die nicht sozialabgehängte, sondern mittelschichtige bildungsnahe Jugendliche mit ausgeprägtem elitären Bewusstsein zu den Terroranschlägen motiviert hat.

Das Fazit von Kristin Pietrzyk:

Man müsste erkennen, dass Parteien wie die AfD das vorantreiben und salonfähig machen, dagegen müssten sich alle demokratischen Parteien wehren. Das passiert aber nicht.

Eine beachtenswerte und ernüchternde Gesellschaftsaufnahme!

"Man hält sich für eine Elite, die dazu berufen ist, das deutsche Volk zu verteidigen"
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Kommentare 2
  1. Emran Feroz
    Emran Feroz · vor 9 Monaten

    Sehr wichtiger Beitrag. "Salonfähig" ist hier das Stichwort. Denn genau das geschieht sowohl in Deutschland, in Österreich und anderswo. Der Hass ist zum Alltag geworden und Menschen - Geflüchtete, Migranten und Muslime - werden immer mehr entmenschlicht. Vor allem die Sozialen Medien machen das deutlich.

    1. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor 9 Monaten

      Ich kann dir nur zustimmen. Politik-Modelle der extremen Rechten waren nach 1945 weitgehend ein gesellschaftliches Tabu. Extrem rechte Politik heute wieder "salonfähig" zu machen ist offensichtlich das strategische Ziele er AfD.