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Flucht und Einwanderung

Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran?

Gabriel Koraus

•Ausbildung als Sinologe und Religionswissenschaftler
•Arbeit in der Outdoorbranche mit Fokus auf soziale Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung in globalen Lieferketten

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Gabriel KorausDienstag, 04.05.2021

Es ist nicht das erste Mal, dass Berichte über unerwartete Gesprächskonstellationen im mittleren Osten in die Öffentlichkeit gelangen. So war in den letzten Jahren etwa bereits informell schon länger von einer Annäherung einiger arabischer Staaten (u.a. Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten) mit Israel die Rede. Diese gipfelte schließlich in der Normalisierung der Beziehungen zwischen den VAE und Israel. 

Die nun aber durch mehrere Medien kolportierte Nachricht über diplomatische Gespräche zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ist, angesichts der bisherigen Historie der Beziehung zwischen diesen beiden Staaten, sogar noch überraschender. Und die Teilnahme von Vertretern aus Ägypten, Jordanien und den VAE lässt gleich noch mehr aufhorchen. 

Sicherlich, auch im schlimmsten Konflikt sind fernab der klassisch installierten diplomatischen Kommunikationswege Kontakte zwischen verfeindeten Akteuren nicht nur möglich, sondern in vielen Fällen gang und gäbe. Man darf sich diesbezüglich nicht zu sehr von den nach außen getragenen Stellungnahmen täuschen lassen. Im aktuellen Beispiel sind die zu Grunde liegenden Konflikte jedoch so grundlegend und fundamental, dass diese Entwicklung schon beeindruckt. Von Stellvertreterkonflikten u.a. im Irak, im Yemen und in Syrien, über tiefgreifende religiöse Diskrepanzen bis hin zu ganz direkt konfligierenden Hegemonialinteressen trennt die beiden Länder eigentlich fast alles. Und dies vor dem Hintergrund einer diese Rivalität mit allen Mitteln befeuernden und instrumentalisierenden US-Außenpolitik. 

Schon gewusst? Einer der Gründe für die Tötung des Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, zu Beginn letzten Jahres war dessen Involvierung in saudisch-iranische Gespräche über mgl. Lösungsstrategien der mit den PMF's assoziierten Konfliktpotentialen im Irak, welche den damaligen Direktiven der US-Außenpolitik zuwider lief (es gab da natürlich noch ein paar Gründe mehr, gut waren die aber alle nicht). 

Nun finden sie also offensichtlich doch noch statt. Dafür werden im Wesentlichen 2 Gründe genannt. 

Zum Einen stecken nahezu sämtliche Stellvertreterkonflikte in aussichtslosen Sackgassen fest und das verursacht enorme Kosten. Ob im Yemen, in Syrien oder im Irak: nirgendwo scheint eine unilaterale Lösung aktuell möglich, zu komplex und vertrackt ist die Lage, zu viele Akteure sind involviert und eine einzelne, regionale Hegemonialmacht konnte sich nicht bisher nicht etablieren. 

Und dies führt zum zweiten, eigentlichen Grund: der Passivität Amerikas. Unter Joe Biden hat die US-Außenpolitik ziemlich schnell klar gemacht, ihr Engagement in der Region deutlich zurückfahren zu wollen. Neben dem Abzug der Truppen aus Afghanistan bedeutet dies wohl insbesondere ein Ende der bedingungslosen, kategorischen Unterstützung sämtlicher saudi-arabischer Großmachtambitionen. 

Wodurch alle Beteiligten plötzlich auf sich selbst zurück geworfen sind und nun die wirklich nur rudimentär vorhandenen diplomatischen  Kanäle anwerfen müssen, um der Lage Herr zu werden. Die amerikanische Bevormundung ging eben bequemerweise auch stets mit einem sehr aktiven Eingreifen einher. Nun, da dies wegfällt, könnte es zu einer gewissen diplomatischen Emanzipation kommen. Es gilt, die Probleme vor Ort selbst zu lösen. 

Das bedeutet nun natürlich mitnichten, dass alles gut wird. Im Gegenteil, oft führt der Wegfall einer wie auch immer strukturierenden und stabilisierenden Instanz zu mehr Chaos und Konfrontation. Aber auf lange Sicht wird so die Eigenverantwortung der beteiligten Staaten gestärkt und deren Fremdbestimmtheit und Abhängigkeit reduziert. 

"This of course does not mean that this outbreak of regional diplomacy is destined to succeed. It may very well not. But the task of making it succeed will primarily fall on the shoulders of the regional powers themselves rather than on the United States. And that is a win for both the United States and the Middle East."








Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran?

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Kommentare 1
  1. Gabriel Koraus
    Gabriel Koraus · vor mehr als ein Jahr

    ...hier noch ein ergänzender Bericht über die "Entfremdung" zwischen den USA und Saudi-Arabien:
    https://carnegieendowm...

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