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Europa

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Freitag, 01.06.2018

Von der Einheit durch Technik über die Einheit Europas zur Einheit der Welt?

Der „Merkur“ diskutiert wichtige Artikel aus seiner 70-jährigen Geschichte. Einer davon ist der Essay von Carl Schmitt „Die Einheit der Welt“ von 1952. Schmitt ist einer der bekanntesten und wahrscheinlich der umstrittenste deutsche Staats- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus hat er sich zu recht ins Abseits gestellt. Nichtsdestotrotz waren seine Gedanken zur Einheit der Welt, basierend auf den globalen Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen und wirtschaftlichen Großräumen, wirkungsmächtig. Auf die EU z. B. trifft seine Beschreibung des Großraums als eine völkerrechtliche Einheit durchaus zu. Interessant seine Definition von Einheit der Welt:

„Die Einheit ..., von der ich hier spreche, ist nicht die allgemeine biologische Einheit des Menschengeschlechts, auch nicht die Art Ökumene, die ... zu allen Zeiten irgendwie vorhanden war. Es ist auch nicht die Einheit des Weltverkehrs, ..., sondern etwas Schwierigeres und Härteres. Es handelt sich um die Einheit der Organisation menschlicher Macht, die die ganze Erde und die ganze Menschheit planen, lenken und beherrschen soll. Es handelt sich um das große Problem, ob die Erde heute schon reif ist für ein einziges Zentrum politischer Macht.“

Und das mögliche Ende des kalten Krieges würde nicht zwangsläufig zur endgültigen globalen Einheit führen. Die Einheit,

„ ... die durch einen restlosen Sieg des einen Partners über den anderen eintreten würde, ist keineswegs die einzige denkbare Möglichkeit, um die Spannung der heutigen Zweiheit zu beenden.“

Erstaunlich die Weitsicht bei der Beurteilung der Zukunft – für ihn stand die Frage, wie

„z. B. die Lage und die Bedeutung Chinas oder Indiens oder Europas, des Britischen Commonwealth, der Hispano-Lusitanischen Welt, des Arabischen Blocks und vielleicht noch anderer, unerwarteter Ansätze zu einer Pluralität von Großräumen“

führt. Hörenswert auch die "Dekonstruktion" dieses Essays in einem Gespräch mit Danilo Scholz.

Von der Einheit durch Technik über die Einheit Europas zur Einheit der Welt?
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Kommentare 2
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor 19 Tagen

    Also wenn ich das erste Zitat richtig verstehe ("ein einziges Zentrum politischer Macht"), denke ich viel eher an die Sowjetunion als an die Europäische Union, die ja keineswegs von einer übermächtigen Zentrale gesteuert wird. Überhaupt klingen in dem Zitat längst überholte kybernetische Modelle an ("lenken", "planen", "beherrschen"). Oder täusche ich mich da? So oder so aber ein anregender Piq!

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 19 Tagen

      Das ist wahrscheinlich richtig, das Schmitt die damaligen Vorstellungen von „Macht“ von simpler „Kybernetik“ vorschwebten. Andererseits funktioniert das Konsensmodell in EU auch nicht richtig. Einige wollen einen Bundesstaat, andere einen Staatenbund. Brüssel sieht sich wohl manchmal gern als „Zentralregierung“. Und wie soll heute oder in naher Zukunft ein weltweiter Bund aussehen? So richtig weiter scheint mir unser Denken noch nicht.