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Europa

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Donnerstag, 02.08.2018

Ein neuer Sonderweg Deutschlands? Heinrich August Winklers Blick auf 70 Jahre Bundesrepublik

Das Problem des deutschen Sonderweges spielte schon in seiner politischen Geschichte Deutschlands „Der lange Weg nach Westen“ (2000) eine Rolle. Und sie prägt seinen Blick auf die jüngste Vergangenheit. So hat es in der Bundesrepublik nach 1945 ein nie gekanntes Maß an bürgerlicher Normalität, an Frieden und Freundschaft mit den westeuropäischen Nachbarn sowie an Offenheit für die politische Kultur des Westens gegeben. Aber auch ein hohes Maß an Ungleichzeitigkeit im Vergleich mit der Entwicklung in der DDR. Dort begann der eigentliche Weg in den Westen erst nach 1989 - „altdeutsche Vorurteile gegenüber westlicher Demokratie“ überlebten länger und nachhaltiger.

Aber die aktuellen rechtspopulistischen Bewegungen sind - neben der Nachwirkung altdeutscher Gedanken - laut Winkler auch eine Reaktion auf die Fehler der etablierten Parteien. Dazu zählt er auch einen unkritischen Kult der plebiszitären Demokratie bei den Linken („ein tiefes Unverständnis dessen, was westliche Demokratie ausmacht“). Und der Eindruck, den diese Parteien bestärkten, Deutschland sei asylpolitisch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Widerspruch dagegen war vorhersehbar.

Ja, es ist ein Irrglaube zu meinen, eine demonstrative deutsche Sondermoral in der Gegenwart könne irgendetwas wiedergutmachen, was sich niemals wiedergutmachen lässt. Die Folgerung, die wir aus dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte ziehen müssen, ist, dass wir uns in jeder Situation verantwortlich verhalten müssen, dass wir nicht wieder deutsche Sonderwege einschlagen - nach dem Motto: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen -, sondern dass wir uns stets mit unseren Partnern abstimmen. Der Irrglaube, den ich vor allem in Kreisen links der Mitte wahrnehme, die Probleme der Dritten Welt ließen sich auf deutschem Boden lösen, ist so eklatant, dass es einen nicht verwundern kann, dass dann manche bisherigen Wähler der Linken und der Mitte den Irrweg nach rechts antreten.

Ein neuer Sonderweg Deutschlands? Heinrich August Winklers Blick auf 70 Jahre Bundesrepublik
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Kommentare 5
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Ist die Schweiz mit ihren Volksabstimmungen eine linke Ostdiktatur mit altdeutschem Vorurteilen? Oder ein Sonderweg, den man endlich beenden muss? Welche Person glaubt, dass man die Probleme der Welt auf deutschem Boden lösen kann?

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten

      Bei einer kritischen Betrachtung der plebiszitären Demokratie ist die Schweiz sicher ein Pluspunkt. Und der Brexit ein Minuspunkt .....
      Also ich glaube nicht, dass sich die Probleme der Welt auf deutschem Boden lösen lassen. Verstehe aber worauf Winkler mit dem Wortspiel hinaus will. In den Foren ließt man oft genug, dass das deutsche Grundgesetz quasi für die ganze Welt gilt und daher auch alle hier aufgenommen gehören. Um Winkler noch mal zu zitieren: „Aber eine von Verantwortungsethik geprägte realistische Haltung in der Migrations- und Flüchtlingspolitik ist auch um des Zusammenhalts in Europa willen bitter notwendig. Wir haben uns durch lautstarken, übertriebenen Moralismus in Europa unglaubwürdig gemacht. Wir haben uns in dieser Frage in Europa isoliert.“

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten

      Ja, in gewissen Sinn ist dann auch die Schweiz einen Sonderweg gegangen. Aber nicht als EU-Mitglied, kann daher die Union nicht auseinander treiben. Und hat auch sonst nicht das Gewicht von Deutschland. Aber eben eine lange Tradition mit Plebisziten. Kann man sicher nicht einfach übertragen. Und keiner muß m.E. Sonderwege beenden. Hat aber Folgen ....

  2. Eric Bonse
    Eric Bonse · vor 2 Monaten

    Obwohl ich Winkel schätze - dieser Text ist schwach. Die deutsche Flüchtlingspolitik wird von der CDU-Chefin verantwortet, nicht von der Linken oder "den Linken". Merkel ist es auch, die einen Sonderweg in der Energiepolitik ging und geht (Nord Stream). Und die Kanzlerin hat mit ihrer verfehlten Euro-Rettung die AfD überhaupt erst hervorgebracht...

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten

      Ist Merkel noch rechts der Mitte? Winkler hat ja nicht von „Der Linken“ oder den Linken gesprochen, sondern eben von Kreisen links der Mitte ..... Wenn ich ihn richtig verstehe, interpretiert er den „Rutsch“ der CDU nach links als Teil des (moralisierenden) deutschen Sonderweges ... Wobei die Rechte auch sehr moralisierend daherkommt.