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Simone Brunner
Freie Journalistin

Freie Journalistin aus Wien mit Fokus auf Ukraine, Belarus und Russland. Schreibt für das Journalistennetzwerk n-ost (Link: http://ostpol.de/autoren/view/812).

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piqer: Simone Brunner
Samstag, 26.01.2019

Annexionsgerüchte: Belarus ist nicht die Krim

Belarus, das knapp 10-Millionen-Einwohner-Land zwischen Lettland, Litauen, Polen, der Ukraine und Russland, ist nicht oft in den westlichen Nachrichten. Das war in den letzten Wochen anders. Ein Streit zwischen den Autokratenkollegen Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin über die Preise des russischen Öls war zuletzt eskaliert - und plötzlich wurde zwischen Moskau und Minsk über eine tiefere Integration zwischen den beiden Staaten im Sinne eines Unionsvertrages aus dem Jahr 1999 diskutiert.

"Will Putin Weißrussland eingliedern?", fragte zuletzt der Stern, Belarus stünde gar "an der Schwelle, seine Unabhängigkeit zur verlieren", schrieb die Historikerin Anne Applebaum in der Washington Post. Niemand hielt es für nötig, in Belarus selbst nachzufragen - oder gar vor Ort zu recherchieren. Eine oberflächliche Ferndiagnose reichte schon, um die Annexionsgerüchte weiter zu verbreiten.

In Belarus selbst sorgten diese Nachrichten für Kopfschütteln. Ich selbst habe hier unlängst den jungen, brillanten Politologen Artyom Shraibman kennen gelernt, seine Argumente fand ich sehr interessant - und plausibel. Warum Belarus eben nicht die Krim ist, beschreibt er in einem Beitrag für das Carnegie Moscow Center - danke an die Kollegen von dekoder für die Übersetzung dieser informativen und nüchternen Analyse.

Belarus mag ein überraschend russlandfreundliches und russischsprachiges Land sein, aber wenn Moskau meint, in der belarussischen Gesellschaft eine Stütze zu finden, so wird das wohl kaum gelingen.(...) Es ist schwer, eine „russische Partei“ zu mobilisieren, wenn es keine wirklichen Parteien oder wenigstens ein halbwegs entwickeltes Netz von nicht regierungsnahen Organisationen oder andere politische Infrastruktur gibt, weder in Russland noch in Belarus. Hinzu kommt, dass Belarus ein autoritär regiertes Land ist, wo jegliche Angriffe auf die Stabilität der Regierung im Keim erstickt werden.

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