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Literatenfunk

Louise Labé

Quelle: privat

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Dienstag, 21.01.2020

Louise Labé

Im secession Verlag ist am Ende des letzten Jahres ein Buch erschienen, das mich gleichermaßen erstaunt wie entzückt hat. Der Verlag startet damit eine Reihe: Femmes de Lettres. 

Entzücken ist ein Ausdruck, den ich eigentlich nicht im aktiven Gebrauch habe, denn er erscheint mir ein wenig anachronistisch, wenn man ihn einfach so verwendet, als würde man eine Orchidee betrachten. Trotzdem komme ich nicht umhin, ihn in diesem Zusammenhang zu verwenden. Das Buch heißt „Torheit und Liebe“ und gleich vorab, auch wenn die Autorin 1524 geboren wurde, sind ihre Texte alles andere als anachronistisch. Sie sind in einem Maße frisch und provokant, wie man es in Texten aus dieser Zeit kaum findet. Das mag allerdings daran liegen, dass in den offiziellen Überlieferungen Autorinnen ohnehin kaum eine Rolle spielen, bzw sie kaum übersetzt wurden.

Im Falle Labé bildet Rilke eine nicht zu unterschätzende Ausnahme, weil er schon Texte dieser in Frankreich kanonischen Autorin ins Deutsche brachte. Aber es war ein Deutsch Rilkescher Zeit und ein Rilkesches Deutsch, was nicht zu verachten ist, aber sich von den Originalen doch etwas entfernt (soweit ich das einschätzen kann.)

Der secession Verlag hat nun eine Werkausgabe Labés in der Übersetzung Monika Fahrenbach-Wachendorffs vorgelegt, die die Frische Labés Dichtkunst auf eine grandiose Art deutlich macht. Natürlich bedient sich die Autorin im Titel des Buches inspirierenden Eingangstext, der eine Auseinandersetzung der antiken Gottheiten Folie und Amor und deren Schlichtung durch die höhergestellten Jupiter und Apoll beschreibt, eines antiken Personals, aber auf eine freie Art und Weise, als wollte sie Offenbachs freche Operetten des 19. Jahrhunderts vorweg nehmen.

Zum Ausgangspunkt nur so viel: Folie blendet Amor, weil er sich ungehörig vordrängt, und er kombiniert daraufhin die Liebenden fernab jeder höfischen und Ständeordnung. Verhandelt wird später, ob die Blendung zurückgenommen oder bestraft werden müsse. Die verhandlungsführenden Götter aber legen eine Probephase von 300 Jahren fest.

Dem langen Prosatext schließen sich eine Reihe von Elegien an, die sich durchaus an die an Antike elegische Tradition knüpfen, aber in ihrer Ausformung auch ihren eigenen Reiz entfalten:

Noch nie ein Sklave so nach Freiheit rief,Nie sehnte nach dem Hafen sich ein Schiff,Wie ich, mein Freund, mich jeden Tag aufs Neueauf deine anmutige Rückkehr freue.

Aber der Höhepunkt des Bandes sind die Labéschen Sonette, die auch seinen Abschluss bilden. Und wenn mich aufgrund des inflationären Gebrauchs dieser Form in der Literaturgeschichte hin und wieder eine Art Sonettenmüdigkeit ereilt, bin ich angesichts der Labéschen wieder hellwach.

O düstre Klagen, heftiges Verlangen,O eingebüßte Zeit, verlorne Not,O tausend Netze, tausendfacher Tod,O düstres Unheil, darin ich gefangen!

Zur sozialen und literaturgeschichtlichen Einordnung des Werkes steuert Elisabeth Schulze-Witzenrath ein knappes, aber pointiertes Nachwort bei.

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