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Zukunft und Arbeit

Karsten Lemm
Reporter
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piqer: Karsten Lemm
Donnerstag, 05.10.2017

Wärst du ein guter Uber-Fahrer?

Die Leute, die dein Privattaxi gerufen haben, wollen mit einer Ladung Hamburger und Pommes ins Auto klettern. Willst du sie trotzdem mitnehmen? Den Mund halten, wenn sie anfangen zu essen, auf die Gefahr hin, dass sie Ketchup verkleckern? Oder lieber „nein“ sagen – und damit eine schlechte Bewertung in der Uber-App riskieren? Auch wenn das womöglich bedeutet, dass künftige Gäste lieber einen anderen Fahrer wählen.

Dutzende solcher Entscheidungen muss man fällen, wenn man sich auf diesen interaktiven Test der Financial Times einlässt. Das Ganze ist aufgezogen wie ein Spiel, samt Grafiken und unterschiedlichen Ergebnissen, je nach selbst gewähltem Handlungsstrang – aber die Situationen, vor denen Nutzer stehen, spiegeln die Realität in der Gig Economy wieder, denn der Test beruht auf Gesprächen, die FT-Reporter mit diversen Uber-Fahrern geführt haben.

Was sich sehr schnell zeigt: Selbst wer bereit ist, vieles zu schlucken, um Fahrgäste oder Uber nicht zu verärgern, kommt am Ende finanziell nicht unbedingt weit. Reparaturen gehen auf eigene Kosten, genauso wie Leasing-Gebühren, Tanken und das Reinigen des Autos, das nur im Dauerbetrieb Geld verdient – also genauso geschunden wird wie der Körper des Fahrers, der wenig Ruhe bekommt, wenn am Ende des Monats das Geld reichen soll für die Miete.

Ich zumindest habe es nicht geschafft, genug zum Leben zu verdienen, selbst im leichten Spielmodus. Aber vielleicht geht’s euch besser? So oder so: Der FT ist es gelungen, ein Musterbeispiel für die spielerische Vermittlung von Wissen zu schaffen.

Wärst du ein guter Uber-Fahrer?
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Kommentare 4
  1. Moritz Orendt
    Moritz Orendt · vor 2 Monaten

    Tolles Spiel, danke für den Hinweis.

  2. Silke Jäger
    Silke Jäger · vor 2 Monaten

    Danke. Das ist sehr aufschlussreich. Ich hab's auch nicht geschafft. In London wurde die Lizenz für Uber zuletzt nicht verlängert, weil Uber Sicherheitsvorschriften missachtet. Davon sind schätzungsweise 40000 Fahrer betroffen. Zudem wird die Lizenzgebühr so drastisch erhöht, dass vielen Taxiunternehmen die Schließung droht. London braucht dringend sauberere Luft, ich bin aber nicht sicher, ob diese Entscheidungen damit zu tun haben. Die Situation ist für diejenigen, die mit Uber ihren Lebensunterhalt verdienen, sehr schwierig.

    1. Karsten Lemm
      Karsten Lemm · vor 2 Monaten

      Danke auch, für die hilfreiche Ergänzung. Uber ist sicher ein Fall für sich, wegen all seiner Skandale – aber das Schöne an diesem interaktiven Test ist aus meiner Sicht, dass man daran spielerisch erfahren kann, wie die Gig Economy ganz allgemein funktioniert. Das Modell hat sicher viele Vorteile für Menschen, die sich flexibel etwas dazu verdienen möchten. Wenn aber aus dem Nebenbei-Job die Haupt-Einnahmequelle werden soll, muss man mindestens so viel schuften wie festangestellte Kollegen – während man Kosten und Risiken trägt wie ein eigenständiger Unternehmer. Zumindest, solange Gerichte und Gesetzgeber nichts anderes beschließen.

    2. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 2 Monaten

      @Karsten Lemm Man kriegt eine ganz passable Idee davon, wie sich Ausbeutung anfühlen kann. Stimmt. Mich würde interessieren, ob die Gig-Economy die ausbeuterischen Aspekte zu Anfang mitbedacht hat, oder ob sie wirklich selbst an den Traum glaubte, den sie verkauft: Dass Menschen flexibler und freier arbeiten können (was für die Gelegenheitsfahrer sogar zutreffen mag).