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Zukunft und Arbeit

Karsten Lemm
Reporter
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piqer: Karsten Lemm
Samstag, 20.08.2016

Verehrte Firmenlenker: überschätzt, überbezahlt – und überflüssig?

Armee, Staat, Unternehmen: Alle suchen sich Anführer – Leute (meistens Männer), die sagen, wo es langgeht, die Entscheidungen fällen, Verantwortung tragen und, bei Erfolg, nicht selten kultisch verehrt werden. Unser Hang, bei solchen Anführern Schwächen zu übersehen und ihre Stärken überzubetonen, führt dann dazu, dass die Gesellschaft sich Idole aufbaut wie Steve Jobs, Franklin D. Roosevelt und Katniss Everdeen, die Heldin des Films „Tribute von Panem“, argumentiert der Soziologe Stowe Boyd in diesem provokanten Blog-Eintrag.

Boyd verurteilt den Gedanken, in Anführern besondere Persönlichkeiten zu sehen, die scheinbar von Natur aus dazu bestimmt sind, anderen die Richtung vorzugeben. Und wir alle, die dieses Prinzip aus biblischen Zeiten einfach hinnehmen, seien Teil eines Kultes, schreibt Boyd, und „für die Resultate mitverantwortlich, nicht weniger als jene, die uns anführen“.

Vor allem aber hinterfragt Boyd das Hierarchie-Denken in Unternehmen: Brauchen Firmen wirklich Vorstandsbosse, die ein Vielfaches des Durchschnittsgehalts kassieren – obwohl Untersuchungen immer wieder zeigen, dass gerade die Bestbezahlten oft die schlechtesten Bilanzen vorzuweisen haben? Boyd zitiert eine Studie, die zeigt, dass $100 über zehn Jahre gerechnet weit besser bei Unternehmen angelegt waren, die ihre CEOs eher gering entlohnen, als bei Firmen, die ihre Vorstände zu Topverdienern machen.

Könnte es sein, fragt Boyd, dass Chefs ohnehin überflüssig sind, weil „alle von uns [Führungsrollen] übernehmen können, je nachdem, wie es gerade nötig ist?“ Und was, „wenn das ,Anführen‘ eine Fähigkeit wird, die in Entscheidungsprozesse eingebaut ist, statt das gottgegebene Recht geschwätziger hochgewachsener Männer mit perfekten Zähnen und dem Haarschnitt eines Senators zu sein?“

Unternehmen, die sich selbst organisieren und ohne Chefs auskommen? Nahe an der Gotteslästerung. Und hoch spannend.

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