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Zukunft und Arbeit

Remote Worker als umworbene Gesellschaftsschicht

Anja C. Wagner
Bildungsquerulantin
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Anja C. WagnerMontag, 06.12.2021

Tulsa ist mit ca. 400.000 Einwohner*innen die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat Oklahoma. Die Stadt hat eine Universität, kämpft aber (wie so viele andere mittelgroße Städte) mit dem Wegzug der gut ausgebildeten Menschen. Das Durchschnittseinkommen beträgt ca. $58.000 im Jahr. 

Im November 2018 entschied man sich seitens der Stadt, mit den Mitteln einer vor Ort ansässigen Stiftung (George Kaiser Family Foundation), ein Pilotprogramm zu starten: Die Stadt umwarb Remote Worker, denen es egal ist, von wo sie arbeiten. Sie sind zumeist gut ausgebildet und können perspektivisch auch neue Jobs kreieren. So erhoffte man es sich.

Und so kam es denn auch, wenngleich man sich bis heute fragt, wieso der eingeschlagene Weg hier so gut funktionierte.

Der Weg 

Es wurde ein Programm namens Tulsa Remote gestartet, das den mobilen Remote Workern proaktiv 10.000 Dollar versprach, die ihnen im Laufe des ersten Jahres ausgezahlt werden – zusammen mit anderen Vergünstigungen wie Rabatten auf Co-Working-Spaces und Wohnungen. Als Gegenleistung erwartete man, dass diese Fernarbeiter*innen sich selbst, ihre Jobs und ihr verfügbares Einkommen in die Stadt bringen.

Das Ergebnis

Das Programm begann mit 70 Teilnehmer*innen im Jahr 2019 und hat bis jetzt insgesamt mehr als 1.200 Remote Worker in die Stadt gebracht, die ihrerseits mindestens 600 weitere Personen als Anhang mitzogen. 

Rückblickend betrachtet war die Strategie von Tulsa dabei vorausschauend, denn nur etwas mehr als ein Jahr später beschleunigte das Coronavirus die Art und Verfügbarkeit von Fernarbeit für viele Angestellte. Mittelgroße Städte sind plötzlich angesagt bei den digitalen Nomaden der urbanen Elite. Die Mietkosten in den großen Metropolen sind extrem hoch und die Lebensqualität mitunter beschränkt, zumal wenn man die vielen Vorteile der Kulturzentren kaum nutzen kann. Hier punkten die Mittelzentren mit ihren kurzen Laufwegen – wir kennen diese Entwicklungen ja auch in Deutschland (z. B. bei den Ko-Dörfern oder Neuland 21 – mehr dazu hier).

Zudem tragen solch konzertierte Aktionen zum schnelleren Aufbau von sich wechselseitig unterstützenden Communities vor Ort bei. Gerade für viele Freelancer und Soloselbständige ein wichtiger Aspekt, um sozial anzudocken. 

Ein weiteres Plus, was sich bereits nach kurzer Zeit in Tulsa offenbarte: Es ist plötzlich wieder ein unternehmerischer Geist in der Stadt – und genau dies wurde seitens der Stadtmarketer*innen auch erhofft. Tulsa befindet sich nämlich im Strukturwandel, weil die historische Stadtentwicklung maßgeblich auf der Ölförderung und dem daraus resultierenden Entrepreneurship aufbaute (mitsamt des bekannten Tulsa-Massakers an der Schwarzen Community in 1921 – lies hier mehr dazu). 

Aber Tulsa Remote ist ein Erfolgsmodell: Man schätzt, dass das Programm allein im Jahr 2021 ca. 62 Mio. Dollar an lokalen Einnahmen in die Stadt gebracht hat.

"51,3 Mio. $, die direkt den neu zugezogenen Remote Workern zuzuschreiben sind, und 10,7 Mio. $ durch den in der lokalen Wirtschaft erzeugten Beschäftigungsschub." Das Programm schuf direkt 394 Arbeitsplätze und führte zu weiteren 198 "neu geschaffenen Arbeitsplätzen in Vollzeitäquivalenten in Tulsa."

So wird es in diesem Artikel angeführt. Und das kann sich sehen lassen.

Das Fazit

Die Forscher*innen und Stadtentwickler*innen fragen sich, ob der Erfolg von Tulsa (und manch anderer Mittelstädte) tatsächlich auf das finanzielle Lockangebot zurückzuführen ist, sind die Teilnehmer*innen doch alles andere als unterprivilegiert:

  • 90 % haben einen Bachelor-Abschluss, während nur 32 % der einheimischen Tulsaner*innen einen solchen hatten. 
  • $ 85.000 beträgt der Durchschnittsverdienst 
  • 45 % der Teilnehmer*innen kamen aus nur drei Staaten: Kalifornien, New York und Texas (als Flucht aus den hochpreisigen Mieten)

Wahrscheinlich ist es gar nicht der Lockruf des Geldes, wenngleich es sicherlich auch gerne als Ansporn genutzt wird. 

"Ich glaube, dass die Ziele des Programms bemerkenswert einfach sind", sagt Ben Stewart, der geschäftsführende Direktor von Tulsa Remote. "Es geht darum, eine dynamische Gemeinschaft von Remote Workern mit unterschiedlichem Hintergrund aufzubauen, sie in Tulsa einzuführen und dann zu sehen, was passiert." Am meisten freute ihn die Feststellung, dass vier von zehn Teilnehmer*innen "unternehmerisch veranlagt" sind.

Das Rezept scheint einfach und es haben sich einige Städte auf den Weg gemacht. Es ist ein Wettbewerb um kluge, unabhängige Köpfe entstanden, die verteilt zu arbeiten wissen. Der wahre Wettbewerbsvorteil einer Region, in der sie sich (wenn auch nur temporär) niederlassen,
liegt wohl in der Betonung lokaler Besonderheiten, die sie in größeren Städten vielleicht nicht finden würden, und in dem Versprechen einer gezielten Gemeinschaftsbildung.

Und daraus kann dann alles Mögliche als Motor der Stadt von morgen entstehen. Ich denke, es gibt Schlimmeres.

Remote Worker als umworbene Gesellschaftsschicht

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