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Friederike Knüpling
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piqer: Friederike Knüpling
Montag, 04.07.2016

Handschrift schlauer als Tastatur? Wir haben notiert

Aufschreibesysteme – und nicht etwa Autoren allein – bestimmen, welche Ideen überhaupt notiert werden. Am kühnsten gedacht und aufgeschrieben hat das der 2011 verstorbene Medientheoretiker Friedrich Kittler. Die kognitionswissenschaftlichen Studien, die im unten verlinkten Text vorgestellt werden, kommen vergleichsweise routinemäßig daher, haben dafür aber, wie schon der Titel des Artikels suggeriert, einen Appeal von Anwendbarkeit: „Can Handwriting make you smarter?“

Also: Die vorgestellten Kognitionswissenschaftler beschäftigen sich mit den Lerneffekten von technischen Medien an Universitäten und bestätigen in Bezug auf Notationstechniken die These vom Primat des Schreibgeräts: Wer bei Konferenzen, Meetings oder beim Arzt gern Notizen nimmt, beeinflusst mit der Wahl der Notiertechnik, wie sie oder er sich an die Vortragsinhalte erinnern wird.

  • Studenten, sagen die Kognitionswissenschaftler, die sich in Vorlesungen zum Mitschreiben an die Tastaturen ihrer Notebooks anschließen, transkribieren oft wörtlich; ihr Schreiben ähnelt einem automatischen Prozess.
  • Ihre Kommilitonen, die auf das Aufschreibesystem „Notizbuch und Hat-jemand-mal-einen-Kuli-für-mich“ zurückgreifen, verarbeiten durch ihre Mitschriften das Gehörte eher konzeptuell.
  • Wer mittippt, behält immer noch mehr, als wer gar nicht mitschreibt.
  • Gleich nach dem Hören sind viele Laptop-User in der Lage, detailgenauer wiederzugeben, was sie mitgetippt haben, aber schon am nächsten Tag können sie meist nur noch wenig mit ihren Notizen anfangen.

Macht es also schlauer, mit der Hand zu schreiben?

Kittler hätte diese Frage, so gestellt, nicht so sehr interessiert. „Von den Leuten gibt es immer nur das, was Medien speichern und weitergeben können“, schrieb er 1985 (im Vorwort zu „Grammophon Film Typewriter", fair-use-PDFs online). Botschaften oder Inhalte waren für ihn schlicht das, womit Nachrichtentechniken „sogenannte Seelen für die Dauer einer Technikepoche buchstäblich ausstaffieren“.

Ansonsten: Gewissermaßen ja.

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