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Zukunft und Arbeit

Cornelia Daheim
Zukunftsforscherin
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piqer: Cornelia Daheim
Donnerstag, 02.08.2018

Ein Ethnologe über "neue Sklaverei" in Europa

In einem Interview spricht Gilles Reckinger, Ethnologe an der Universität Innsbruck, über sein aktuelles Buch "Bittere Orangen. Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa". Dabei geht es um die Arbeitsbedingungen, die Migranten (mit ungesichertem Status) heute in Europa erleben, bei der Zitrusfrüchte-Ernte in Italien. 

Die Einsichten sind schockierend, Reckinger vergleicht die Verhältnisse und Lebensbedingungen mit denen "afrikanische(r) Sklaven aus früheren Jahrhunderten", und beschreibt sie so: 

"Das bedeutet, dass die Menschen zu extrem ausgebeuteten Bedingungen arbeiten müssen. Die Menschen verdienen für einen Arbeitstag zwischen zehn und zwölf Stunden 25 Euro, sie müssen aber dann noch den Transportteil quasi, dass der Bauer sie in einem überfüllten Minibus zu der Plantage bringt, die vielleicht ein, zwei Kilometer entfernt ist von dem Arbeitsstrich, wo er die Arbeiter abholt, noch mal fünf Euro zahlen. (...) Aufgrund der extrem engen finanziellen Lage wohnen die Leute dann in regelrechten Slums tatsächlich, also so, wie wir sie aus Fernsehbildern vielleicht aus der sogenannten Dritten Welt kennen. Diese Verhältnisse gibt es eben auch in Europa - also Plastikbehausungen, Kartonbehausungen, in verlassenen Fabriken, direkt auf den Plantagen, ganz unterschiedliche Wohnverhältnisse, die aber alle von extrem schwierigen Bedingungen gekennzeichnet sind, also kein fließend Wasser, in den allerseltensten Fällen Strom, keine hygienischen Vorkehrungen, also kein Anschluss ans Kanalsystem, der Müll wird nicht abgeholt von der Gemeindeverwaltung und so weiter."

Zudem beleuchtet er die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migrantinnen, die Rolle von Ethnologen in der aktuellen Lage und den Einfluss der Sprache in der öffentlichen Wahrnehmung der Thematik, spannt also einen breiten Kontext auf. Uns zumindest bewusst sein über diese Verhältnisse sollten wir wohl alle, die wir uns als Europäer begreifen. 

Ein Ethnologe über "neue Sklaverei" in Europa
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Kommentare 2
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    16 Sklaven, äh, Erntehelfer sterben - nun erst bewegt sich was:
    www.nzz.ch/internati...

    1. Cornelia Daheim
      Cornelia Daheim · vor 3 Monaten

      Danke für den Link. Je mehr ich dazu erfahre, desto schockierter bin ich.