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Zukunft und Arbeit

Anja C. Wagner
Bildungsquerulantin
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piqer: Anja C. Wagner
Montag, 09.11.2020

Demokratisches US-Establishment gegen neue Ideen und das Internet?

Ein ausgesprochen interessantes Interview mit Alexandria Ocasio-Cortez (AOC), das sie kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses zugunsten von Biden/Harris der New York Times gab.

Interessant ist das Gespräch nicht nur als vertiefender Einblick in die harten Auseinandersetzungen einer politischen Partei. Bei der Lektüre dachte ich, dies ist ein Sinnbild unserer heutigen Zeit: Jede*r von uns eher progressiven, digital affinen Menschen hat dies in den letzten Jahren erlebt. Der Kampf des Establishments um veraltete Positionen mit einer nahezu lächerlich wirkenden Arroganz gegenüber den digitalen Möglichkeiten wie Herausforderungen unserer Zeit – mangels eigener Erfahrungen. Und gleichzeitig das infame Beharren auf ihren old-fashioned Standpunkten, die längst aus der Zeit gefallen sind.

Ein Beispiel, das AOC hier beschreibt: 

Manches davon ist kriminell. Es ist Amtsmissbrauch. Conor Lamb gab in der Woche vor der Wahl 2.000 Dollar auf Facebook aus. Ich glaube nicht, dass jemand, der im Jahr (...) 2020 nicht wirklich im Internet ist und eine Wahl verliert, jemand anderem die Schuld geben kann, wenn man nicht einmal wirklich im Internet ist. Und ich habe mir viele dieser verlorenen Kampagnen angeschaut, und Tatsache ist, dass man nicht aus allen Zylindern schießt, wenn man in der Woche vor der Wahl nicht 200.000 Dollar für Facebook ausgibt, um Spenden zu sammeln, Überzeugungsarbeit zu leisten, Freiwillige zu rekrutieren und für die Wahl zu trommeln. Und nicht eine einzige dieser Kampagnen hat aus allen Zylindern geschossen. (...) Wenn Sie nicht an Türen klopfen, wenn Sie nicht im Internet sind, wenn Sie sich hauptsächlich auf Fernsehen und Post verlassen, dann führen Sie nicht auf allen Kanälen eine Kampagne. Ich verstehe einfach nicht, wie jemand ideologische Behauptungen aufstellen kann, wenn er keine vollwertige Kampagne führt. Unsere Partei ist nicht einmal online, nicht in einer wirklichen Weise, die Kompetenz zeigt. Und deshalb, ja, sie waren anfällig für diese Botschaften, weil sie nicht einmal auf den Medien waren, in denen diese Botschaften am wirkungsvollsten waren. Sicher, man kann auf die Botschaften verweisen, aber sie waren auch leichte Beute. Sie waren leichte Beute.

Es geht hier um das Wehklagen der Demokraten angesichts der rechten Hasstiraden auf Facebook, die dann Trump wählten. Dabei ist AOC kein Fan dieser Plattform, niemand hat Zuckerberg bei der Anhörung im Kongress besser unter Druck gesetzt als sie.

Sie versucht halt, nur die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten und dort zeitgemäß (!) zu agieren. Und so bot sie ihren Kolleg*innen ihre Unterstützung im Netz an, aber die meisten lehnten ab, weil sie zu progressiv sei und das keine*r hören wolle. Die 5 (!), die es zuließen, kamen aber alle durch, sie wurden gewählt, eben weil sie progressiv und für Black Lives Matter, Klimawandel, Gesundheitsversorgung etc. eintraten.

Aber das will in der etablierten Partei niemand wahrhaben. Sie greifen AOC und vergleichbare Positionen wohl hart an. Und sie habe lange überlegt, ob sie noch einmal antreten oder nicht doch lieber sich einen anderen Job suchen solle. Sie habe sich noch einmal für die Politik entschieden, weil sie beweisen wollte, dass ihre Position wählbar ist. Und sie wurde wieder deutlich bestätigt.

Nun wartet sie ab, was die Übergangszeit in der Regierungsbildung bringt, wer in entscheidende Positionen kommt und welche Strategie die Regierung einschlagen wolle. Bei Obama wäre genau in dieser Übergangszeit der Fehler gemacht worden, was die Demokraten viele Stimmen bei den nächsten Kongresswahlen kostete.

Also, alles sehr lesenswert. Kann ich nur empfehlen!

Und wie so vieles von AOC, strategisch gut platziert, direkt, nachdem feststand, dass Biden/Harris ins Weiße Haus ziehen. Da kann man ja mal gespannt sein, wie eisig die Stimmungen nach Amtsantritt verlaufen. An sich wäre es ein Wunder, wenn es nach dieser deutlichen Aussprache plötzlich einen Sinneswandel des Establishments gäbe. Sie werden weiter versuchen, die alten Zügel in der Hand zu halten. Aber es werden immer mehr Progressive, die wirklich kämpfen. Mit den Mitteln unserer Zeit.

Demokratisches US-Establishment gegen neue Ideen und das Internet?

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