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Zukunft und Arbeit

Cornelia Daheim
Zukunftsforscherin
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piqer: Cornelia Daheim
Mittwoch, 27.06.2018

Brisanz und Ursachen der Bildungsarmut – plus Lösungsansätze: Weg mit den Schulklassen?

Bildungsarmut ist eine der zentralen Herausforderungen gesellschaftlicher Teilhabe – und in Deutschland ein besonderes Problem. Der Deutschlandfunk widmet sich dem in einem Interview mit dem renommierten Soziologen Klaus Hurrelmann, der die Brisanz deutlich macht (hier wortwörtlich aus dem Interview zitiert):

Also dann kann ich nicht teilnehmen an dem, was heute im Beruf gefordert wird, aber auch nicht teilnehmen an dem, was in der Gesellschaft gefordert wird. Und wenn wir da mal schauen, da haben wir dann doch, sagen wir mal vier, fünf Prozent junger Menschen eines jeden Jahrgangs, die eine angeborene Benachteiligung oder Behinderung haben. Dann haben wir weitere vielleicht sieben Prozent, die schaffen den Basisschulabschluss nicht, und dann noch einmal, je nach Rechnung, sieben, acht Prozent, die schaffen auch keinen Ausbildungsabschluss, und so kommen wir dann auf diese etwas erschreckenden Zahlen von 15, 16, 17 Prozent, bei denen man sagen muss, da fehlt es an der Basisausstattung von Bildung, um an den wichtigen Dingen des Lebens und des Berufs teilnehmen zu können, und das kann man Bildungsarmut nennen.

Ansetzen könnte man nach Hurrelmann beispielsweise bei der Stärkung der frühkindlichen Bildung, und dem problematischen dominanten Prinzip der Homogenität in Schulen (demnach Schüler in große Gruppen, also Klassen, eingeteilt werden) – hier müssten Schüler individueller angesprochen werden, wie es beispielsweise in der Erwachsenenbildung üblich ist. Hurrelmann scheint insgesamt positiv gestimmt, da viele der Ursachen inzwischen angegangen seien – spricht aber auch von einem "Schul- oder Systemversagen". Und er ist sich sicher, dass es sowohl deutlich mehr Personal als auch Fortbildungen bräuchte. Ein Thema, das nicht nur angesichts der aktuellen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt dringend mehr Aufmerksamkeit bräuchte. 

Brisanz und Ursachen der Bildungsarmut – plus Lösungsansätze: Weg mit den Schulklassen?
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Kommentare 4
  1. Urs Gröhbiel
    Urs Gröhbiel · vor 3 Monaten

    Interessantes und anregendes (Danke!), aber leider viel zu kurzes Interview, das viele Fragen offen lässt. Welche Ansätze zur Verbesserung gibt es schon in anderen Ländern oder sind denkbar? Eintritts-Assessment, Unterstützung von Familien, Realisierbarkeit: Wer macht das? Kosten von zusätzlichen Lehrpersonen, damit verbundene politische Prozesse etc.

    1. Cornelia Daheim
      Cornelia Daheim · vor 3 Monaten

      Gern, und ja, fand ich auch. Zu dem Thema findet sich erstaunlicherweise wenig in den Medien. ich halte aber mal die Augen offen und hoffe auf einen weiteren Piq dazu, der noch tiefer geht.

    2. Harald Knill
      Harald Knill · vor 3 Monaten

      @Cornelia Daheim Dazu kann man zB die regelmäßigen Kommentare von Heinz Gruber (emeritierter Erziehungswissenschafler) im Standard (Wien) lesen. Entsprechendes Pendant gibts sicher auch in deutschen Medien. Es ist leider mehr als sattsam bekannt, was „man“ tun kann und sollte, es ist alles schon 100 Mal gesagt worden. Nur in Österreich und Deutschland scheint es eine kollektive Teilleistungsstörung zu geben, die das nicht zur Kenntnis nehmen will (sinniger Buchtitel zB zum Thema gemeinsame Schule oder getrennte Schultypen in Österreich: Streit durch die Jahrhunderte) und immer wieder, immer wieder bei Adam und Eva neu anfängt zu fragen. Leute wie H. Gruber sind für ihre Sysyphusarbeit zu bewundern.
      Im Übrigen kann bei der OECD nur in die Schublade gegriffen werden und all diese brisanten Fragen finden eine wissenschaftliche abgesicherte Antwort. (Dabei muss man nicht mit jedem noch so kleinen Teil einverstanden sein.)
      Zu den Kritikern von OECD und insbesondere Herrn Schleicher: wenn einem der Hammer aus der Hand fällt und auf die Zehen, statt den Nagel zu treffen, ist nicht der Hammer schuld – will heißen: Die Schule in Ö und Dtl hat noch jeden vernünftigen Ansatz in sein Gegenteil verkehrt. Leider ein unendliches Thema …
      Herzlich, Harald Knill

    3. Cornelia Daheim
      Cornelia Daheim · vor 3 Monaten

      @Harald Knill Danke für den Tip, kommt auf meine Leseliste. Und ein schönes (wie bitteres) Bild auch mit dem Hammer...