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Zukunft und Arbeit

Ole Wintermann
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piqer: Ole Wintermann
Dienstag, 04.04.2017

Benötigen wir Regelbrecher wie Kinimnok aus Papua Neu Guinea in Unternehmen?

Joel Robbins, Professor für soziale Anthropologie an der Cambridge University, beschreibt in seinem Beitrag ein Dorf der Ureinwohner in Papua Neu Guinea, in dem ein Bewohner ständig gegen die allgemeinen Verhaltensregeln verstößt, sich aber trotzdem hoher Beliebtheit bei den anderen Bewohnern des Dorfes erfreut. Obgleich Robbins augenscheinlich mit dem Text nicht im Sinn hatte, Fragen der Arbeit und der Arbeitsverhältnisse anzusprechen, ruft der Text geradezu danach, Parallelen aufzuzeigen.

Die Ureinwohner des Dorfes haben ihr alltägliches Leben streng strukturiert. Implizite soziale Regeln der Verhaltenskontrolle bestimmen das Dasein und die Rollen der Einwohner. Damit entsprechen sie den Urgesellschaften der Menschen, in denen nicht niedergeschriebene sondern gelebte Kodifizierungen einen klaren Verhaltenskodex formen.

Der unangenehme oder sogar „widerliche" („obnoxious") Kinimnok hält sich aber nicht an diese Kodizes und lebt damit ein Stück weit außerhalb der Gemeinschaft. Da er zudem als unangenehme Person beschrieben wird, sollte man meinen, dass er keinerlei Anerkennung durch die anderen Einwohner erfährt. Ganz entgegen dieser Erwartung besitzt Kinimnok aber ein recht hohes Maß an Respekt bei den anderen Menschen. Robbins hat dies zuerst verwundert. Dann ist ihm aber der Grund für diese scheinbare Widersprüchlichkeit aufgefallen: Die Einwohner des Dorfes wissen, dass sich Rahmenbedingungen des Alltags (trotz der strengen Kodifizierungen) ständig ändern und dass solche Änderungen und die damit nötigen Anpassungen nur durch Menschen wie Kinimnok angestoßen werden können, durch Menschen, die sich auch mal nicht an die Regeln halten, die Regelbrecher sind und damit den Horizont der breiten Massen verändern.

Liebe HR-Abteilungen, seid souverän und gönnt euch den einen oder anderen Kinimnok in euren Unternehmen.

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