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Zukunft und Arbeit

Karsten Lemm
Reporter
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piqer: Karsten Lemm
Montag, 08.08.2016

Auf dem Arbeitsmarkt der 100-Jährigen

Mit steigender Lebenserwartung sinkt die Aussicht auf eine frühe Rente. Kein Sozialsystem erträgt es, wenn Menschen, die überwiegend 90 oder 100 Jahre alt werden, schon mit 65 aufhören ihren Unterhalt zu verdienen. Aber was ändert sich, wenn der einstige Lebensabend eher zur Mitte wird? 

Die britische Ökonomin Lynda Gratton argumentiert in ihrem Buch The 100-Year Life, dass die Folgen weit über das längere Arbeiten hinausgehen werden. Zum einen verschieben sich Lebensabschnitte: Menschen gründen später eine Familie, warten Jahre, ehe sie ein Haus kaufen, wollen sich nicht zu früh festlegen. „Eine neue Phase der Erkundung“ nennt Gratton das in diesem Interview mit McKinsey.

Ähnlich wichtig werden Übergänge zwischen Veränderungen, die künftig häufiger im Leben auf uns zukommen – und damit gewinnen soziale Kontakte an Bedeutung, beruflich wie privat: Früher, erklärt Gratton, war es eher üblich, dass Generationen im Gleichtakt durchs Leben gingen. Kollegen arbeiteten über Jahre, womöglich Jahrzehnte, zusammen und gingen zu ähnlicher Zeit in Rente. Je mehr Menschen nun ihren eigenen Takt bestimmen, umso wichtiger wird es, immer wieder neue Kontakte zu knüpfen – weil Freunde und Weggefährten nicht immer bereit sein werden, alle Veränderungen zeitgleich mitzumachen.

Viele Politiker, vermutet Gratton, werden sich lange zieren, das Unvermeidliche offen einzugestehen: Niemand, der wiedergewählt werden will, mag das Ende der Rente mit 65 verkünden. Auch Unternehmen werden sich womöglich schwertun, ihre Strukturen anzupassen. Deshalb glaubt die Wissenschaftlerin: „Der Wandel wird auf der Ebene des Einzelnen stattfinden“, durch viele Experimente, die Gesellschaft und Arbeitsmarkt neue Formen geben.

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