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Zeit und Geschichte

Wie faschistisch war der ukrainische Nationalist Stepan Bandera?

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
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Dirk LiesemerSamstag, 04.06.2022

Stepan Bandera war wohl das, was man schillernd nennt: schwer durchschaubar und damit nicht so leicht einzuordnen. In den 1930er-Jahren führte er eine radikale Abspaltung der Organisation Ukrainischer Nationalisten an und kämpfte im Untergrund für ein von der Sowjetunion unabhängiges Land. Vor Gewaltverbrechen schreckten er und seine Männer nicht zurück.

Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs schlossen sich viele seiner Mitstreiter der Wehrmacht an, wo sie zwei Bataillone bildeten. Nachdem Mitglieder seiner Organisation am 30. Juni 1941 in Lemberg einen unabhängigen Staat ausgerufen hatten, was dem NS-Regime natürlich gar nicht passte, wurde Bandera im KZ Sachsenhausen interniert, wo er die meiste Zeit des Kriegs verbrachte – vergleichsweise erträglich, wie Wolfgang Michal kürzlich im Freitag schrieb ("zwei möblierte Zimmer mit Teppichen auf den Böden und Bildern an den Wänden").

Während Stepan Bandera heute in Russland, aber auch in Israel eindeutig als Nazi-Kollaborateur gilt, wird er im Westen der Ukraine weiterhin als Freiheitsheld gesehen. In diesem kostenpflichtigen Text aus der SZ geht der Historiker Kai Struve der Frage nach, wie dieser Mann denn nun einzuordnen ist. Er schreibt erstens:

Eine gewisse ideologische Nähe zwischen der Bandera-OUN und dem NS-Staat übersetzte sich nicht in eine Unterstützung des deutschen Okkupationsregimes. Das Verhältnis war distanzierter und schließlich feindlicher als zwischen dem NS-Regime und anderen ukrainischen Gruppen. Seit Anfang 1943 bekämpfte die Bandera-OUN die Deutschen aktiv.

Und zweitens:

Zum anderen ist in der deutschen Öffentlichkeit die Bandera-Verehrung in der Ukraine meist als Beleg für die fehlende Auseinandersetzung mit der Kollaboration und für nationalistische, rechtsextreme Tendenzen gesehen worden. Auch eine solche Deutung führt zu falschen Schlüssen, wenn nicht gleichzeitig berücksichtigt wird, dass die Erinnerungsgeschichte an die großen Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts in Osteuropa und insbesondere in der Ukraine komplizierter ist als die deutsche oder die westeuropäische.

Aktuell sei nicht so sehr die mangelhafte, lange von Moskau verhinderte Auseinandersetzung mit dem ukrainischen Nationalismus und seinen Verbrechen vor allem an Juden das große Problem, sondern – wie der Krieg zeigt – die fehlende Aufarbeitung der sowjetischen Gewaltgeschichte. Eine lesenswerte Einordnung.

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Kommentare 3
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 2 Monaten

    Man muss denke ich auch unterscheiden ob und wie weit man Bandera für einen Nazi hält und was Menschen umtreibt, die heutzutage Bandera (meist unkritisch) verehren.

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 2 Monaten

    Ein sehr abgewogener und dennoch kompakter Artikel.

    Nicht ganz so differenziert ist dieser Beitrag, aber er zeigt ein weites Spektrum. Etliche Geschichtsinterpretationen liegen im Widerstreit:
    https://jacobin.de/art...?

  3. Jürgen Klute
    Jürgen Klute · vor 2 Monaten

    Danke für den tatsächlich guten und differenzierten Artikel zu Bandera.

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