Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Zeit und Geschichte

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
Zum piqer-Profil
piqer: Dirk Liesemer
Freitag, 08.07.2016

Warum der Vernichtungsfeldzug gegen die Herero und Nama als Völkermord zu werten ist

Schätzungsweise 80.000 Herero und Nama sind Anfang des 20. Jahrhunderts durch die deutsche Kolonialmacht umgekommen. Dass das Deutsche Reich in Namibia schreckliche Kriegsverbrechen begangen hat, ist unbestritten. Doch sind diese als Genozid zu werten?

Afrikareporter Bartholomäus Grill stellte kürzlich in einem Spiegel-Artikel, den ich hier gepiqd habe, genau diese Frage. Unter anderem verwies er auf ungenaue Opferzahlen, eine schwierige, interessengebundene Quellenlage und zitierte einen führenden, mittlerweile verstorbenen Herero, der nicht von Völkermord sprechen wollte. Zudem habe die Absperrung der Omaheke-Wüste, wohin die Herero geflüchtet waren, kaum länger als neun Wochen gedauert. Dann zogen die deutschen Soldaten ab, um im Süden des Landes gegen die Nama zu kämpfen.

Jürgen Zimmerer, Professor für afrikanische Geschichte an der Universität Hamburg, widerspricht vehement einer Schlussfolgerung, wie Grill sie nahelegt. Zimmerer rekapituliert in der Frankfurter Rundschau die Ereignisse von 1904 und stellt den Stand der aktuellen Debatte dar. Darüber hinaus verweist er auf die weitgefasste Völkerrechtskonvention der Vereinten Nationen und präsentiert das Forschungskonzept des kulturellen Genozids. Es sei eindeutig, dass der Völkermord in Namibia bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat.

Warum der Vernichtungsfeldzug gegen die Herero und Nama als Völkermord zu werten ist
8,6
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!

Kommentare 2
  1. Moritz Hoffmann
    Moritz Hoffmann · vor mehr als einem Jahr

    Eine spannende, oft sehr hart geführte Debatte - toll, dass Prof. Zimmerer bei dem Thema so engagiert ist, dass er nicht nur in journalistischen Formaten, sondern auch in den sozialen Medien (insbesondere Twitter) engagiert diskutiert!

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor mehr als einem Jahr

      Ja, ich denke, wir sollten die Debatte hier ruhig abbilden. Sein Twitterkanal lautet übrigens twitter.com/juergenzi...