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Zeit und Geschichte

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
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piqer: Dirk Liesemer
Freitag, 12.04.2019

Völkermord in Ruanda: Warum versagte die Weltgemeinschaft? Und was lernte sie aus der Katastrophe?

Vor einem Vierteljahrhundert geschah im ostafrikanischen Ruanda ein Genozid, den man hätte verhindern können. Er wurde nicht mit schweren Waffen durchgeführt, sondern mit einfachen Macheten, die schon bald stumpf wurden. Aber die Vereinten Nationen schauten weg und unternahmen nichts. Vom 7. April bis Mitte Juli 1994 ermordeten Hutu-Milizen zwischen 800.000 und gut einer Millionen Tutsi und gemäßigte Hutu, also etwa jeden siebten bis zehnten Ruander. Jede Familie hat damit Tote zu beklagen. Rund 100 Tage lang zogen die Mörder durchs Land, ehe sie von den Truppen des heutigen Präsidenten Paul Kagame außer Landes getrieben wurden. Dabei ist wichtig: Hutu und Tutsi waren nie unterschiedliche ethnische Gruppen. Vielmehr hatten deutsche Kolonialisten die Menschen dieser Region Anfang des 20. Jahrhunderts anhand scheinbarer äußerer Merkmale sowie ihrer Tätigkeiten als Viehzüchter (Tutsi) oder Ackerbauern (Hutu) in zwei "Völker" eingeteilt. Daraus entstanden mit der Zeit soziale Gruppen, die sich zunehmend feindlich gegenüberstanden. Eine Stunde History hat mit gut informierten Experten gesprochen, darunter dem Juristen Gerd Hankel und dem Major Marcel Bohnert. Letzterer sagt, man habe aus der Katastrophe gelernt und würde heute etwa militärische Mandate robuster gestalten. Einen Völkermord wie in Ruanda werde es auch deshalb wohl nicht mehr geben. Im Land selbst, darauf macht Linda Staude aufmerksam, hat eine bemerkenswerte Aufarbeitung stattgefunden.

Vor einigen Jahren habe ich Ruanda besucht und kann folgende Bücher empfehlen:

Philip Gourevitchs bedrückende Rekonstruktion: "Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden" (Infos auf Wikipedia).

Jean Hatzfeld: "A Time for Machetes - The Killers Speak" und "Into the Quick of Life - The Survivors Speak".

Völkermord in Ruanda: Warum versagte die Weltgemeinschaft? Und was lernte sie aus der Katastrophe?
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