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Zeit und Geschichte

Moritz Hoffmann
Freier Historiker. Zeitgeschichte, Digitale Public History. Verantwortlich für @digitalpast und @9Nov38.
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piqer: Moritz Hoffmann
Montag, 08.08.2016

Verschwörungstheorien über die Verschwörungstheorie

Eines der Phänomene, die aktuell sicher mit am dringendsten zum Ziel historisch-politischer Bildung werden müssen, ist die (zumindest an Lautstärke) wachsende Szene der VerschwörungstheoretikerInnen. Auch wenn es etwas ruhiger geworden ist, versammelt das Zentralorgan KenFM immer noch knapp 250.000 Facebook-Fans, rufen krakeelende Antiamerikaner im Radio an, wird jede Nachricht über die Dorfapotheke mit Panik vor der bösen Pharmaindustrie quittiert.

Interessanterweise gibt es seit über zwanzig Jahren eine Art Meta-Verschwörungstheorie, nämlich jene, dass der Begriff Verschwörungstheorie durch die CIA erfunden worden wäre, um DissidentInnen lächerlich zu machen. Als Beleg hierfür, so arbeitet Christoph Kluge hier lesenswert heraus, nehmen sie ein (von der US-Regierung selbst freigegebenes) Memo von 1967, das AgentInnen Sprachregelungen für den Kontakt mit jenen Leuten an die Hand gab, die nicht glaubten, dass Lee Harvey Oswald alleine für den Mord an John F. Kennedy verantwortlich sei.

Tatsächlich wird das Wort „Verschwörungstheorie“ schon hundert Jahre länger im Deutschen wie im Englischen verwendet; der grundsätzliche Gedanke ist natürlich auch kein Kind des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Vielmehr ist diese Theorientheorie ein schöner Beweis dafür, dass man (auch entgegen im Internet frei verfügbarer, seriöser Quellen wie Google Books) für alles Gläubige findet, wenn man nur amerikanische Geheimdienste als Bösewicht der Geschichte darstellt.

Verschwörungstheorien über die Verschwörungstheorie
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Kommentare 4
  1. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor etwa einem Jahr

    Der Artikel geht ein wenig an der Sache vorbei wie ich finde. Ein Geheimdienst muss keine Wörter erfinden, sonder er lanciert und verknüpft diese höchstens.

    Das Geheimdienste maßgeblichen Einfluss in der internationalen Politik besitzen dürfte wohl unbestritten sein. Es Bedarf da keiner dicken Hunde wie Watergate zu, man nehme nur einmal die Unterwanderung und Finanzierung der deutschen Kulturszene im Kalten Krieg durch die CIA.

    1. Moritz Hoffmann
      Moritz Hoffmann · vor etwa einem Jahr

      Dass Geheimdienste keineswegs unschuldige Lämmer sind, ist ja vollkommen offensichtlich. Die Genese des Wortes "Verschwörungstheorie" ist ja auch nur ein Aspekt des Artikels, tatsächlich geht es um die geringe Beweiskraft der vorliegenden Quelle (die ja sonst nie freigegeben worden wäre).

    2. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor etwa einem Jahr

      @Moritz Hoffmann Klar ist die Quellenlage dünn, das haben so Angelegenheiten an sich. Ob irgendwer den Begriff "Verschwörungstheoretiker" gezielt geprägt hat, weiss ich nicht. Genutzt wird er jedoch gerne, auch wenn seriöse Argumente vorliegen.

      Ein schönes Beispiel ist das Wort "Querfront" wie ich finde, an dem gut deutlich wird wie ein Begriff aktiv verknüpft wird und von dort aus es in so ziemlich jedes Medium geschafft hat. Das Wort enthält so keinerlei positiven Aspekt mehr.

      Auch ein schönes Wort ist Antiamerikanismus, versuchen Sie mal ein ähnliches Wort bezogen auf einen anderen Staat zu kreieren.

  2. Kurt Tutschek
    Kurt Tutschek · vor etwa einem Jahr

    Sehr schöner, informativer piq. Danke!