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Zeit und Geschichte

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
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piqer: Dirk Liesemer
Freitag, 22.02.2019

Über einen, der bis heute in Bayern verkannt wird: Kurt Eisner

Ich dachte, die CSU würde mittlerweile entspannter mit Kurt Eisner umgehen. So kann man sich täuschen. Auch 100 Jahre nach der Revolution schaffte es Ministerpräsident Markus Söder im vergangenen November nicht, den Namen seines entfernten Vorgängers in seiner Rede zur Gründung des Freistaates zu nennen. Söder fabulierte sogar faktenfern von einer Sowjetrepublik, die gedroht habe. Wenn man schon zuspitzt, dann müsste man eher sagen: Ohne Eisner kein Strauß, kein Stoiber und kein Söder.

Kurt Eisner war alles andere als ein von Moskau ferngelenkter Hasardeur. Vielmehr war er intellektueller Kopf der Unabhängigen, der am 7. November 1918 die Revolution in München auslöste. Es war ein außerordentliches Wagnis, das er mit einer langen Haftstrafe hätte bezahlen können. Noch in der Nacht forderte der Sozialdemokrat Erhard Auer die Verhaftung Eisners. Allein, es gab keine loyalen Truppen.

Statt einer Sowjetrepublik versprach Kurt Eisner in einem öffentlichen Aufruf: "Eine Volksregierung, die vom Vertrauen der Massen getragen wird, die Einberufung einer Nationalversammlung, gewählt von allen mündigen Männern und Frauen." Eisner wollte ein selbstbewusstes Bayern, das aber keine Unabhängigkeit anstrebt.

Er war auch kein Träumer, wie der Titel eines Buches nahelegt. Vielmehr gelangen ihm in seinen gut hundert Tagen an der Macht entscheidende Reformen: Er setzte eine demokratische Grundordnung durch, führte den Achtstundentag und das Frauenwahlrecht ein. Als er dann bei den Wahlen brutal durchfiel, fügte er sich der demokratischen Mehrheit.

Autor Georg Gruber ist ein spannender Rückblick gelungen. Offen bleibt die Frage, warum Kurt Eisner bis heute keinen guten Stand in Bayern hat - schon gar nicht bei den Christsozialen, auch nicht wirklich bei den Sozialdemokraten. Ich denke, es wird Zeit, dass ein Bild von Kurt Eisner, dem Vater des Freistaates, prominent in der Staatskanzlei aufgehängt wird. Am besten an einer Stelle, an der Söder täglich vorbeilaufen muss.

Über einen, der bis heute in Bayern verkannt wird: Kurt Eisner
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