Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
Zum piqer-Profil
piqer: Hauke Friederichs
Donnerstag, 01.06.2017

Terrorismus als Botschaft – wie Extremisten sich für Kameras begeisterten

Attentate, Anschläge und Angreifer, die bereit sind, ihr Leben zu lassen – das alles ist natürlich keine Erfindung des extremen 20. Jahrhunderts. Die Assassinen ermordeten im Nahen Osten bereits im Mittelalter innenpolitische Gegner und Kreuzfahrer. Und mancher Teilnehmer der Kreuzzüge griff mit "Gott will es" auf den Lippen die feindlichen Linien an, wohl wissend, dass er den Vorstoß kaum überleben würde – getragen vom religiösen Wahn. Der Unterschied zum modernen Extremismus und Terrorismus, der vom Islamischen Staat oder al-Qaida betrieben wird? In alten Zeiten fehlte die Kamera.

Krieg und Kamera, aber auch Terror und Kamera, sind eng miteinander verbunden. "Seit Kameras zur Dokumentation des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurden, ist es ihr Schicksal, mit der Waffe assoziiert zu werden, das betont der Medientheoretiker Paul Virilio immer wieder", zitiert Spiegel Online die Kunsthistorikerin Charlotte Klonk. "Hollywood hat dies auf die Spitze getrieben, wenn man an die im Kriegsfilm beliebten Einstellungen denkt, in welchen die subjektive Kamera mit dem Fadenkreuz von Gewehren verschmilzt."

Allerdings beginnt die Symbiose von politischer Gewalt und Bildmächtigkeit natürlich nicht erst 1914. Klonk bringt einen Anschlag auf den Zaren Alexander II. als Beispiel für ihre These: Am 13. März 1881 schlugen die Attentäter zu und Medien berichteten intensiv. So veröffentlichten Zeitungen verschiedene Skizzen von der Explosion der Zaren-Kutsche. Auch die Hinrichtung der Attentäter wurde medial aufgegriffen: Blätter verbreiteten Bilder davon.

Anarchisten in Paris bezogen Zeitungen zum Ende des 19. Jahrhunderts in ihre perfide Strategie ein. Ihr Ziel war es, mit Hilfe der Boulevardmedien  Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Dazu griffen sie einfache Bürger bei Alltagsbeschäftigungen an. Bilder getöteter Menschen erschienen in den Zeitungen – wie von dem Bombenanschlag auf das Café Terminus am 12. Februar 1894. So erlangten die Anarchisten Dank der Kamera größere Aufmerksamkeit.

Terrorismus als Botschaft – wie Extremisten sich für Kameras begeisterten
6
3 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!