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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Samstag, 25.06.2016

"Pure Dummheit" – als Grönland 1982 aus der Europäischen Gemeinschaft austrat

Hunderte Menschen zogen begeisterte durch die Hauptstadt Godthaab. Sie sangen "Anisa, anisa!" - "Wir steigen aus!" 1982 hatten die Grönländer per Referendum beschlossen, aus der Europäischen Gemeinschaft auszutreten. 52 Prozent der damals 30.000 wahlberechtigten Grönländer hatten gegen den Verbleib ihres Staates votiert.

Und tatsächlich verließ die größte Insel der Welt daraufhin die EG. Der "Spiegel" erklärte den Entschluss damals so: "Grönlands Ablehnung hat vor allem wirtschaftliche Gründe, ist mit seinem Haupterwerbszweig verbunden, dem Fischfang. Premier Motzfeldt klagte: 'Nach Brüssel fahren und bitten müssen, vor unserer eigenen Küste fischen zu dürfen, das ist zu schmachvoll.'

Die grönländischen Europa-Anhänger reagierten verzweifelt: "Lars Chemnitz, Führer der unterlegenen EG-Befürworter, kann sich nur wundern: 'Zu jährlich gut 200 Millionen Kronen 'nein danke' zu sagen ist pure Dummheit.'"

Während die Briten nun ihren Abgang aus der Union vorbereiten müssen, denken einige Grönländer über eine Rückkehr nach. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete jüngst: "Drei Jahrzehnte nach dem Austritt Grönlands aus der Europäischen Gemeinschaft bringen Politiker und Unternehmer angesichts der Brexit-Debatte in Großbritannien einen Wiedereintritt in die EU ins Gespräch."

Der Parlamentsabgeordnete Michael Rosing, dessen demokratische Partei zur Regierungskoalition gehören, sagte, eine EU-Mitgliedschaft könnte der beste Weg sein, Infrastruktur-Investitionen zu erhalten. Grönland, das zu Dänemark gehört, aber teilautonom ist, will heute seine Abhängigkeit von der Fischindustrie verringern. Und so könnte wie bereits 1982 der Fisch über das Verhältnis zwischen Grönland und Europa entscheiden.

"Pure Dummheit" – als Grönland 1982 aus der Europäischen Gemeinschaft austrat
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