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Zeit und Geschichte

Moritz Hoffmann
Freier Historiker. Zeitgeschichte, Digitale Public History. Verantwortlich für @digitalpast und @9Nov38.
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piqer: Moritz Hoffmann
Sonntag, 03.07.2016

Madison Grant: Wie ein rassistischer Vordenker die US-Nationalparks mitbegründete

Im weiterhin großartigen Roman „Der große Gatsby“, der in der US-amerikanischen Oberschicht spielt, findet sich eine Szene, die oft untergeht, aufgrund der Publikation im Jahr 1925 aber als fast prophetisch für die folgenden 20 Jahre gelten kann:

"Civilization's going to pieces," broke out Tom violently. "I've gotten to be a terrible pessimist about things. Have you read 'The Rise of the Colored Empires' by this man Goddard?"

"Why no," I answered, rather surprised by his tone.

"Well, it's a fine book, and everybody ought to read it. The idea is if we don't look out the white race will be — will be utterly submerged. It's all scientific stuff; it's been proved."

Was Tom hier anspricht, ist eine rassentheoretische Eugenik, die damals weit verbreitete Idee, dass man Menschen genau so wie Nutztiere zum besten Ergebnis ihrer Art züchten könnte, dass Reinrassigkeit das Ideal allen Lebens wäre. Anhänger und Vordenker dieser Idee war Madison Grant, dessen Schriften später auch in Adolf Hitlers Privatbibliothek einen festen Platz haben sollten. Doch Grant verbrachte seine Zeit nicht nur damit, Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft in „wert“ und „unwert“ einzuteilen: Er war auch ein passionierter Umweltschützer.

Und als ein solcher schaffte er es, ins reiche New York geboren, in die einflussreichsten Zirkel, in denen er wirkte und den Grundstein für die Einrichtung der US-amerikanischen Nationalparks legte. Damit erinnert uns Richard Conniff in diesem Jahr, in dem die Parks ihre Hundertjahrfeiern begehen, daran, dass Umweltschutz, den wir heute als genuin „grüne“, mithin also mitte-linke Idee begreifen, eigentlich eine urkonservative bis rechte oder gar völkische Überzeugung ist.

Madison Grant: Wie ein rassistischer Vordenker die US-Nationalparks mitbegründete
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Kommentare 1
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor mehr als einem Jahr

    Interessanter Aspekt, auch keineswegs so abwegig wie man zunächst denken mag. Rechte Konservative haben sich immer wieder für die Umwelt stark gemacht, auch hierzulande war bei den Grünen anfangs eine völkische Gruppierung um Herbert Gruhl recht präsent und bis heute ist von rechten Ökos immer mal wieder die Rede. Dennoch waren es in den USA vor allem Naturwissenschaftler um John Muir und den Sierra Club, die die ersten Nationalparks, etwa den Yellowstone, iniitiert haben. Muir und dem Club ging es meines Wissens vor allem um die Bewahrung der Schöpfung.