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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Montag, 06.03.2017

Kaiser Donald I.

Donald Trump wird in diesen Tagen oft mit Adolf Hitler verglichen: Beide seien Populisten gewesen, beide seien legal an die Macht gekommen und hätten dann die Demokratie attackiert. Historiker, die sich mit dem Ende der Weimarer Republik auskennen, schütteln bei solchen schlichten Vergleichen die Köpfe. Ganz banal: Adolf Hitler hat mit seiner NSDAP zwar Wahlen gewonnen – aber im Reich nie eine absolute Mehrheit erzielt und keine Koalitionspartner gefunden, die ihm eine regierungsfähige Mehrheit gebracht hätten. 

An die Macht gelangte er durch einen Verfassungsfehler der Weimarer Republik: Der Reichspräsident konnte Kanzler einfach ernennen (Artikel 52), den Reichstag auflösen (Artikel 25) und er hat den Oberbefehl über die Wehrmacht (Artikel 47). Mit dem Artikel 48 kann der Reichspräsident seine Regierung per Notverordnungen ohne parlamentarische Mehrheiten agieren lassen. Die Kanzler Brüning, Papen, Schleicher haben davon profitiert. Und auch Hitler stellte als Bedingung für eine Regierungsbeteiligung, dass sein Kabinett sich auf dieses Sonderrecht des Staatsoberhaupt stützen dürfe.

Es gibt viele weitere Punkte, die den Vergleich Trump und Hitler absurd erscheinen lassen. Auch David Banks wendet sich gegen Hitlerisierung des Präsidenten. Er schreibt im Independent, dass es einen anderen "Politiker" gebe, der viel besser Trump entspräche. Achtung, Überraschung: Wilhelm II.

"Like Trump, the Kaiser was an insecure and aggressive narcissist who allowed his mood to dictate many of his policy decisions, and while the domestic effects of these traits could be limited by the quasi-democratic institutions of the German Reich, in the foreign policy arena his personality wreaked havoc." 

Erneut dürften Historiker mit den Augen rollen: Das Kaiserreich war keine Demokratie. Und Wilhelm II. erbte die Macht. Mal sehen, mit welchem deutschen Politiker Trump als nächstes verglichen wird: Bismarck, von Papen oder Honecker könnten Kandidaten sein....

Kaiser Donald I.
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Kommentare 1
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor 10 Monaten

    Wilhelm II. war zudem gegenüber der Wissenschaft aufgeschlossen. Trump hält davon sehr wenig.