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Zeit und Geschichte

Achim Engelberg
Dr. phil.
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piqer: Achim Engelberg
Freitag, 01.04.2016

Imre Kertész ist tot, wird sein Werk weiterleben?

Am 31. März 2016 starb 86jährig Imre Kertész. Der Überlebende des Mordes an den europäischen Juden und Literaturnobelpreisträger hinterlässt ein Erzähl- und Tagebuchwerk, das eng mit seinen geschichtlichen und osteuropäischen Erfahrungen verbunden ist. Deshalb hätte ich diesen piq auch im Kanal Osteuropa senden können.

Anlässlich seines Todes schaltet SINN UND FORM, die Zeitschrift der Akademie der Künste, einen Text vollständig frei, den der polnische Essayist und Lyriker Adam Zagejewski schrieb. Dieser in Lemberg geborene, in Polen aufgewachsene Autor hat auch seinen Packen Geschichte zu tragen. Er deutet die mythische Dimension des Werkes seines großen Schriftstellerkollegen:

"Sein Werk ist voller Zweifel, ob man das Grauen überhaupt darstellen kann, doch anders als viele Literaturtheoretiker stellt er den Wert des Worts nicht in Frage. Gleichwohl – die Spinnenfaden-Metapher! – kennt er auch die Debatten über die Unzuverlässigkeit der Sprache.

Er arbeitet am Mythos des Romans, des großen läuternden Romans; »Fiasko« und »Liquidation« handeln weniger von Menschenschicksalen als vom Schicksal des Romans, das heißt von dem einen fundamentalen, notwendigen Roman, den er schreiben wollte und auch schrieb – und von dem er weiter träumte, an dem er weiter arbeitete, obwohl er schon veröffentlicht war."

Imre Kertész ist tot, wird sein Werk weiterleben?
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