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Zeit und Geschichte

Gestern & Heute: Was sagt uns heute die Blockade von Leningrad?

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergDonnerstag, 09.09.2021

Die Blockade von Leningrad, die vor achtzig Jahren begann, war mit weit mehr als einer Million Toten die blutigste selbst im Jahrhundert der Extreme.

Erica Zingher erinnert in einem langen, vielschichtigen taz-Artikel an dieses weltgeschichtliche Ereignis.

Im Zentrum steht einer der letzten Zeitzeugen:

Ephraim Moiseewitsch Steinbock, 93, ist Überlebender der Leningrader Blockade. Die 872 Tage, während der die Wehrmacht das heutige Sankt Petersburg umschlossen hatte, betrachte er als wichtigstes Ereignis seines Lebens, sagt Steinbock. Sie habe sein Leben, habe ihn verändert. Heute lebt er mit seiner Frau Geta, ebenfalls Überlebende der Blockade, im kanadischen Calgary.

Ein wichtiger Schritt zur Wahrnehmung dieses Kriegsverbrechens war die im Artikel erwähnte Bundestags-Rede Daniil Granins im Jahre 2014.

Hier kann man die Ansprache des damals 95-jährigen Autors ansehen, hier kann man sie lesen.

Wer von Granin spricht, der sollte von Ales Adamowitsch nicht schweigen. Er ist der Co-Autor des Blockadetagebuchs, das erst vor wenigen Jahren - ebenfalls 2014 - erstmals vollständig erschien. Die russische Fassung ist mittlerweile in etliche Sprachen, übersetzt, so auch ins Deutsche.

Die Kollegen von Dekoder stellen den unterschätzten, wenn nicht gar unbekannten Co-Autor Ales Adamowitsch vor. Die Nobelpreisträgerin

Swetlana Alexijewitsch wurde weltberühmt durch ihre Literatur der „chorischen Zeugenschaft“. Vorbild dafür war Ales Adamowitsch, der auch während der gemeinsamen Arbeit in der Redaktion der Zeitschrift Njoman ihr Mentor gewesen war.

Ales Adamowitsch verdichtete sein Wissen vom großen Krieg im Drehbuch von KOMM UND SIEH, einem der besten Kriegsfilme überhaupt. Wer keine Zeit hat, das Werk zu sehen, sollte zumindest die berühmte Schlusssequenz ansehen.

Die ungeheure Brutalität des Vernichtungskriegs im Osten ist vielen immer noch nicht bewusst. Es verkleinert nicht den Holocaust, wenn man diesen in einem Chor der Gewaltzeitzeugenschaft erinnert, zumal es etliche Überschneidungen gibt.

Hitler fantasierte vom Idealbild des „Ostraums“, der bis zum Ural als deutsches Siedlungs- und Versorgungsgebiet in Besitz genommen werden sollte. Der verbrecherische Plan sah vor, fünf Millionen Deutsche im annektierten Polen und im Westen der Sowjetunion anzusiedeln. Der „Osten“ sollte so germanisiert werden. 31 Millionen Menschen wollte man insgesamt deportieren oder ermorden, ganze Städte und Dörfer entvölkern. 14 Millionen „Fremdvölkische“ sollten außerdem Arbeitssklaven werden.

...

Der Krieg gegen die Sowjetunion, das „Unternehmen Barbarossa“, hatte zwei Ziele: zum einen „Lebensraum“ zu schaffen, begründet durch die rassistische Kategorisierung in „slawische Untermenschen“, zum anderen die slawische und jüdische Bevölkerung aus diesen Gebieten zu deportieren und zu ermorden.

Vielleicht gaben Daniel Granin, Ales Adamowitsch und Swetlana Alexijewitsch schon weitreichende Fingerzeige wie man das Zeitalter der Extreme erinnert und die streitenden Historiker sind nur die Nachhut.

"Multidirektional" erzählen diese Autoren in den besten ihrer auf- und anregenden Werken.

Und das Buch zur blutigsten Blockade - die längste war die von Sarajevo in den 1990er Jahren - ist eines der besten.

Gestern & Heute: Was sagt uns heute die Blockade von Leningrad?

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Kommentare 1
  1. Klaus-Henning Bähr
    Klaus-Henning Bähr · vor 13 Tagen

    Wer sind wir, deren Vorfahren das getan haben? Was müssen wir empfinden bei dem Gedanken, dass die Hand, die uns als Kind behütete, von Blut triefte? Wie sollen wir Frieden finden, in deren Träumen die Leichen der verhungerten Kinder in einem Meer von Tränen treiben?

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