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Zeit und Geschichte

Gestern & Heute: Der Dritte Weltkrieg in einer globalisierten Welt

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergFreitag, 13.01.2023

Zum einen befindet sich die katholische Kirche nicht nur wegen Missbrauchsskandalen in einer epochalen Krise, zum anderen ist sie immer noch eine weltumspannende Organisation, die durchaus ein Problembewusstsein für die Vielfachkrisen hat.

Obwohl ich nicht gläubig bin, schwanke ich bei der Einschätzung der immer noch größten religiösen Organisation. Die Neujahrsansprache von Papst Franziskus ist, obwohl ich in einigen Punkten nicht einverstanden bin (etwa beim Recht auf Abtreibung), beeindruckend.

Heute ist der dritte Weltkrieg in einer globalisierten Welt im Gange, in der die Konflikte zwar nur bestimmte Gebiete des Planeten unmittelbar betreffen, aber im Grunde genommen alle mit einbeziehen. Das beste und jüngste Beispiel dafür ist gerade der Krieg in der Ukraine mit seiner Spur von Tod und Zerstörung, mit den Angriffen auf die zivile Infrastruktur, bei denen Menschen nicht nur durch Bomben und Gewalt, sondern auch durch Hunger und Kälte ihr Leben verlieren

In einem veritablen Rundblick streift er einige Weltgegenden vom geplagten Syrien bis zur zunehmenden Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis, vom Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo bis zu den Folgen der Kolonisierung, die er in Kanada erlebte.

Die Menschheit ist heute derart verflochten und verbunden, dass eine Neuaufteilung in Blöcken keine Lösung, sondern eine Verschärfung der Widersprüche wäre.

Die drei entscheidenden Wegmarken sind für Papst Franziskus

die Migration, die ganze Regionen der Erde betrifft. Oft handelt es sich um Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen und gewaltigen Gefahren ausgesetzt sind.

...

Der zweite Bereich betrifft die Wirtschaft und die Arbeit. Die aufeinanderfolgenden Krisen der letzten Jahre haben die Grenzen eines Wirtschaftssystems aufgezeigt, das mehr auf die Schaffung von Profiten für einige wenige als auf Wohlstandschancen für viele ausgerichtet ist; eine Wirtschaft, die mehr auf Geld als auf die Produktion nützlicher Güter abzielt.

...

Der dritte Bereich ist die Pflege unseres gemeinsamen Hauses. Wir sind ständig mit den Auswirkungen des Klimawandels und deren schwerwiegenden Folgen für das Leben ganzer Bevölkerungen konfrontiert,

Diese drei zentralen Krisenanzeichen sind vereint in einem Punkt:

Die Schwächung der Demokratie in vielen Teilen der Welt und der Möglichkeit der Freiheit, die sie bietet, wenn auch mit allen Begrenztheiten eines menschlichen Systems, ist ein Grund zur Sorge. Oft sind Frauen oder ethnische Minderheiten die Opfer, aber auch das Gleichgewicht ganzer Gesellschaften, in denen Unruhe in sozialen Spannungen und sogar in bewaffnete Auseinandersetzungen mündet.

Dass diese Ansprache kein Zufall ist, sieht man an anderen Reden. Immer wieder wies Papst Franziskus auf die Situation von Flüchtlingen und Ankommenden hin, hier ein Beispiel.

Der Historiker Tom Holland beleuchtet die Rolle des Christentums und sieht in diesem die größte Geschichte aller Zeiten. Selbst in der Krise bleibt es weltumspannend:

Nun ja, in der Welt gibt es rund zweieinhalb Milliarden Menschen, die sich zum Christentum bekennen. Auch in den USA ist das Christentum nach wie vor die dominante Strömung. Es ist im Vergleich zu den Göttern der alten Welt wie Zeus oder Osiris immer noch erfolgreich.

...

Das Christentum ist ein See, in den viele große Flüsse fließen. Die jüdische Tradition natürlich, Kategorien des Dualismus der Person, die Moralisierung der Welt, der Einfluss von Griechenland, die Schriften des Christentums wurden in griechischen philosophischen Ideen geschrieben, wie in den Briefen von Paulus. Und dann natürlich der Einfluss des Römischen Imperiums.

Kommt etwa noch ein kräftiger Impuls zur Veränderung von den zu schnell abgeschriebenen Kirchen?

Die Neujahrsansprache von Papst Franziskus lässt diese Möglichkeit zu.

Gestern & Heute: Der Dritte Weltkrieg in einer globalisierten Welt

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Kommentare 2
  1. Sebastian Gallehr
    Sebastian Gallehr · vor 17 Tagen

    Mein Problem mit den grossen christlichen Kirchen ist, dass sie mir zu häufig ihre eigenen ethischen Grundsätze und moralischen Ansprüche durch das eigene Selbstverständnis und das eigene Handeln konterkariert haben.

    Gerade das jetzt vom Pabst bestätigte Selbstverständnis der katholischen Kirche als ein patriarchales und hierarchisch starres System kann nach meinem Dafürhalten keine Grundlage für Demokratie und Freiheit sein.

    Deshalb bin ich der Meinung, dass die christlichen Hauptkirchen (nicht der Glauben ansich, aber insbesondere die katholische Kirche) keinen wirklichen Beitrag zur Lösung der derzeitigen Probleme liefern können, solange sie sich nicht grundlegend reformiert haben.

    Es gab in der Vergangenheit schon zu viele Kirchenvertreter, die moraliche Verantwortung angemahnt und glaubwürdige Heilsversprechen abgegeben haben, durch deren Wirken aber das genaue Gegenteil entstanden ist. Und ich befürchte, dass es mit diesem Papst wieder so sein wird. Gerade wenn er noch nicht einmal zulässt, dass seine Kirche allen Geschlechtern die Möglichkeit zur Wirkung auf allen Ebenen öffnet.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 16 Tagen

      Ich halte das für nicht ausgeschlossen.

      Allerdings gibt es Veränderungen zwischen dem gerade verstorbenen emirierten Papst und dem amtierenden Amtsträger. Zumindest ist die kirchliche Flüchtlingshilfe stark gewachsen.

      Und der Papst kann über eine immer noch mächtige Institution das Bewusstsein für die Vielfachkrise schärfen. Mehr sehe ich nicht, aber das ist nicht nichts.

      Vieles hängt auch davon ab, wer dem 85jährigem folgt.

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