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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Samstag, 16.04.2016

Die Stadt, die das Judenghetto erfand

Venedig gehört zu den beliebtesten Touristenzielen der Welt. Historisch wirkt hier einfach alles: Das legendäre Arsenal, die Glasbläser, die Handelsmacht. Juden spielen in der Geschichtsschreibung der Metropole keine große Rolle, dabei entstand hier ein schicksalshafter Ort.

Vor gut 500 Jahren, am 29. März 1516, wies der dortige Senat den Juden ein Gebiet in einer abgelegenen und unwirtlichen Gegend zu. "Die Juden müssen alle gemeinsam in den Häusern [...] bei San Girolamo wohnen", hieß es in dem Beschluss, "und damit sie nicht die ganze Nacht umherstreunen, sollen zwei Tore errichtet werden. Diese müssen morgens beim Klang der Marangona-Glocke von San Marco geöffnet und um Mitternacht durch vier christliche Wächter zugesperrt werden, die dafür von den Juden bezahlt werden zu dem Preis, der Unserem Kollegium angemessen erscheint." 

Das erste Judenghetto der Welt richteten die Venezianer zwar nicht ein, solche abgeschotteten Stadtbezirke gab es zuvor schon in anderen Städten wie 1462 geschaffene "Judengasse" in Frankfurt am Main. "Das venezianische Ghetto aber war das erste, das so hieß", schreibt Birgit Schönau in der ZEIT. "So begann vor 500 Jahren die unrühmliche Weltkarriere eines Begriffs, der spätestens seit dem 20. Jahrhundert für die Ausgrenzung, Verfolgung, ja Vernichtung von Minderheiten steht." Denn auch im Holocaust spielte das venezianische Juden-Ghetto eine Rolle: die Nationalsozialisten ermordeten zahlreiche Bewohner.

Die Stadt, die das Judenghetto erfand
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