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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Donnerstag, 26.03.2020

Die Rückkehr der Pocken – die Geschichte einer Epidemie aus dem Jahr 1962

Diese Seuche verbreitet sich in einem Umkreis von 20 Metern, wenn ein Infizierter wieder einmal einen katarrhalischen Hustenreiz hat und Viren in die Luft pustet. Sie siedeln sich dann im Rachenbereich anderer Menschen an. Aber es gibt noch weitere Übertragungswege: jeder von einem Kranken angefasste Gegenstand wird infektiös. Und wenn die von geronnenem Blut schwarz erscheinenden Pusteln auf der Haut von den Infizierten aufgekratzt werden und sich entzünden, übertragen sogar Fliegen, die mit dem Eiter in Kontakt kommen, das Virus. 

Die Pocken sind eine schreckliche Krankheit und sie waren in Deutschland eigentlich bereits ausgerottet als 1962 ein Monteur die Seuche aus Indien in den beschaulichen Kreis Monschau nahe Aachen einschleppte, unweit der belgischen Grenze. Ausgerechnet in der Region des Hürtgenwaldes, wo zum Ende des Zweiten Weltkriegs, eine furchtbare Schlacht stattgefunden hatte, ringen nun wieder zahlreiche Menschen mit dem Tod.

Viele Mediziner sind überfordert, andere weigern sich, an Pocken erkrankten Menschen zu helfen. Selbst Krankenhäuser lehnen Kranke aus dem Kreis Monschau ab. Aber Günter Stüttgen, damals 43 Jahre alt, ein Arzt und Ex-Soldat, nimmt sich den Kranken an. Er arbeitete 1962 als Dermatologe in Düsseldorf und hatte in Indien die Pocken studiert. In Monschau war Stüttgen kein Unbekannter.

"Er war der Sanitätsoffizier, der in Berichten von Überlebenden der sogenannten Allerseelenschlacht im November 1944 als 'The German Doctor' auftauchte und beim 'Wunder vom Hürtgenwald' Hunderten das Leben rettete, auch US-Soldaten", schreibt der Schriftsteller Steffen Kopetzky für den Spiegel. "Knapp 20 Jahre später sollte er zurückkehren. Wieder ging es um Leben und Tod, wieder stellte er sein eigenes Wohlergehen und seine Sicherheit hintan, um dem hippokratischen Eid zu folgen und Kranken unter allen Umständen zu helfen."

Der Kreis Monschau wurde zum Krisengebiet. An den Ortseingängen von Lammersdorf, wo Infizierte lebten, verboten Polizisten und Zollbeamte den Autofahrern, dort anzuhalten. Sämtliche Schulen schlossen und mitten im Karneval wurden alle Veranstaltungen verboten. Quarantänestationen werden aufgebaut. In den Dörfern der Region liefen rasch organisierte Impfkampagnen an.

Das Nachbarland Belgien schloss die Grenze und die Weltgesundheitsorganisation erklärte am 4. Februar 1962 den Kreis zum "Internationalen Infektionsgebiet". Bis dahin waren bereits gut 150 Menschen in Quarantäne, aber fast täglich gab es neue Fälle auf. Auch Ärzte und Pfleger steckten sich an. Am 20. Februar starb eine Patientin.

Trotz einer großen Anzahl von Erkrankten blieb sie das einzige Todesopfer. Der Monteur, der die Pocken eingeschleppt hatte, überlebte genauso wie seine Tochter, die er angesteckt hatte. 700 Menschen waren in Quarantäne gekommen, gut 5000 wurden geimpft.

"Im Ganzen konstatierten die Ärzte einen 'extrem milden Verlauf'. Als 1970 ein Elektriker die Pocken aus Pakistan ins Sauerland mitbrachte, gab es eine weitere Epidemie mit 20 Infizierten, zwei Jahre später den letzten Pockenfall in Deutschland", schreibt Kopetzky. "1979 erklärte die WHO dieses Übel für ausgerottet."
Die Rückkehr der Pocken – die Geschichte einer Epidemie aus dem Jahr 1962
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