Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Zeit und Geschichte

Michaela Maria Müller
Journalistin, Autorin
Zum piqer-Profil
piqer: Michaela Maria Müller
Dienstag, 30.07.2019

Die Rechtspopulisten im Klassenkampf

In dem lohnenswerten Longread widerlegt der Historiker Bodo Mrozek den Klassenbegriff, den Alexander Gauland und Anhänger der AfD immer wieder aufrufen, als ahistorisches Konstrukt.

Angelehnt sind diese Überlegungen an die des britischen Journalisten David Goodhart, der, nebenbei gesagt, auf eine ähnliche Laufbahn wie Gauland zurückblickt. Ihm zufolge gibt es Anywheres, Somewheres und die Inbetweeners. Die Anywheres seien eine Art globale Elite. Ihnen gegenüber werden die Somewheres gestellt, die im Gegensatz zu den Anywheres nicht mobil und tief in Heimat und Tradition verwurzelt seien. Hinzu kommen noch die Inbetweeners, die in ihren Ausführungen jedoch keine weitere Rolle spielen.

Mrozek weist dann darauf hin, dass die Relevanz kultureller Inhalte in der Geschichtswissenschaft derzeit zu wenig Beachtung fände. Das schaffe eine Lücke, die die Rechten mit einem ahistorischen Klassenbegriff zu füllen versuchen. 

Diese Ignoranz rächt sich in dem Moment, wo Kultur zur Kampfzone politischer Konflikte erklärt wird – eine ungeahnte Volte, die der Rechtspopulismus in Adaption linker Identitätspolitik derzeit vollzieht.

Mrozek zeigt anhand der Beispiele Musik, Essen und Reisen auf, dass Transnationalisierung nie nur den Eliten vorbehalten war, sondern immer auch Teil der Geschichte der Mittelschicht war:

Italienische Eisdielen hatten sich seit dem späten 19. Jahrhundert etabliert, und besonders in Hamburg erfreute sich die chinesische Küche schon früh großer Beliebtheit.
(...) erfuhren gerade die "Gastarbeiterküchen" wie die griechische oder jugoslawische beziehungsweise "Balkanküche" seit den 1970er Jahren eine schichtenübergreifende Akzeptanz – und waren damit erheblich weiter verbreitet als etwa die als Haute Cuisine der Oberschicht geltende französische Gastronomie.

All das belegt er gegen Ende auch mit Zahlen und kommt zu folgendem Schluss:

Die deutschen Funktionseliten sind damit nicht die Vorreiter von Globalisierung und Integration, sondern das Schlusslicht.
Die Rechtspopulisten im Klassenkampf
8,8
6 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Zeit und Geschichte als Newsletter.