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Zeit und Geschichte

Der Mord an Manga Bell

Hauke Friederichs
Journalist und Autor
Zum piqer-Profil
Hauke FriederichsDienstag, 31.08.2021

Ein König sitzt am 7. August 1914 auf der Anklagebank. Die Richter am Bezirksgericht Duala im deutschen "Schutzgebiet" Kamerun verurteilen Rudolf Duala Manga Bell, den Monarchen, und Ngoso Din wegen Hochverrats zum Tod.

Bereits am Nachmittag des nächsten Tages hängen die Kolonialherren den König. Viele Einheimische flohen vor der Hinrichtung. Manche fuhren mit Booten den Fluss Mungo hinauf, andere zogen ins Hinterland. Die Vorsicht war durchaus angebracht, denn die Deutschen gingen mit großer Brutalität gegen die Bevölkerung vor.

Wen deutsche Soldaten ohne Ausweise antrafen, wurde eingesperrt. Und wer auf dreimaligen Zuruf der Militärs nicht anhielt, erschossen die Uniformierten sofort. Mehrere Hundert Kameruner starben nach den Justizmorden.

"Damals begann der Untergang der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun, und es endete auch der friedliche Widerstand des Volkes der Duala gegen die gewalttätigen Kolonialherren, den Manga Bell angeführt hatte", schreibt Christian Bommarius für Die ZEIT. "Als wenige Wochen später der Erste Weltkrieg Kamerun erreichte, stellten sich die Duala im Kampf gegen Deutschland an die Seite der Briten. Was die deutsche Kolonialmacht jahrelang zu Unrecht befürchtet hatte, nämlich einen bewaffneten Widerstand der Duala, das genau hatte sie mit den Morden an Rudolf Manga Bell und Ngoso Din erreicht."

Die Bevölkerung Kameruns wartet noch immer auf die Rehabilitierung des bis heute als "Tet’ekombo" (Vater der Nation) verehrten Rudolf Manga Bell und auch von Ngoso Dins. Die Bundesregierung hat diese Forderung nicht erfüllt, obwohl es eindeutig ist, dass beide Männer einst ermordet wurden, um den deutschen Einfluss zu sichern. 

"Sie weiß von den Morden, sie kennt den Fall genau, aber sie spürt bis heute, mehr als hundert Jahre nach den Verbrechen, kein Bedürfnis, die Nachfahren um Verzeihung zu bitten und die Mordopfer zu rehabilitieren", schreibt Bommarius.

Im November 2014 fragte Hans-Christian Ströbele, damals Bundestagsabgeordneter der Grünen, die Bundesregierung, weshalb sie die Rehabilitierung Manga Bells verweigere. Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, antwortete, dass die Bundesregierung sich ihrer historischen Verantwortung bewusst sei, dennoch: 

"Eine Forderung der Vertreter der Douala aus Kamerun zur Rehabilitierung von Rudolf Manga Bell wurde gegenüber der Bundesregierung bislang nicht erhoben."
Der Mord an Manga Bell

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Kommentare 1
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 18 Tagen

    Ein wichtiger Piq, der bislang etwas untergegangen ist.

    Nicht zuletzt wegen seines Buchs über Manga Bell erhielt Christian Bommarius, der Autor des ZEIT-Artikels, den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste.
    https://www.berenberg-...

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