Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Zeit und Geschichte

Michaela Maria Müller
Journalistin, Autorin
Zum piqer-Profil
piqer: Michaela Maria Müller
Montag, 15.07.2019

Der handfeste Adorno. Über die Aktualität eines Vortrags zum Rechtsradikalismus

Heute erscheint der Vortrag „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ von Theodor W. Adorno neu. Er besticht durch seine Aktualität.

Es handelt sich um einen Vortrag, den er auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs im April 1967 in Wien gehalten hat. Dieser setzt sich mit dem Aufstieg der NPD nach ihrer Gründung im Jahr 1964 auseinander. Adorno fragt, wie es sein kann, dass die NPD so erfolgreich ist und kommt zu dem Schluss, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen für den Faschismus weiter fortbestehen, weil sich die Versprechen von Demokratie und Gleichheit für viele nicht erfüllt haben. Dies sei keine irrationale Angst, sondern stelle, so Arno Widmann,

 eine vernünftige Reaktion auf den Konzentrationsprozess des Kapitals dar. Die Menschen, die zwar noch in Arbeit sind, sich aber dennoch als potenziell überflüssig begreifen, erliegen nicht einer gesellschaftsfeindlichen Agitation, sondern sie haben ihre Lage erkannt.
Die Konsequenzen des gesamtgesellschaftlichen Wandels seien zudem immer schichtenübergreifend. Adorno zeigt sich kämpferisch, ist aber auch sicher, dass sich die Wurzeln des Rechtsradikalismus nie ausmerzen lassen werden und dass es eine Herausforderung ist, in einer Gesellschaft immer mit ihm umzugehen:
Die Vorlesung von 1967 zeigt einen sehr handfesten, praktischen Adorno, der fest entschlossen ist, es zu keiner Wiederholung von 1933 kommen zu lassen. Dabei weiß er sehr genau, nicht nur, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die zum Faschismus führten – da ist er sehr orthodox –, nach wie vor bestehen, sondern auch, dass die Voraussetzungen für einen neuen Faschismus jeden Tag neu geschaffen werden. Es besteht wenig Hoffnung, ihm ein für alle Mal den Garaus machen zu können.

Der Historiker und Publizist Volker Weiß hat ein lesenswertes Nachwort geschrieben. In diesem Beitrag ist er im Interview zu sehen.

Der handfeste Adorno. Über die Aktualität eines Vortrags zum Rechtsradikalismus
9,2
11 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 1
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor etwa einem Monat ·

    Wie schön. Würde doch nur für 100 Beiträge über Merkels Zittern ein analytisches Stück mit vergleichbarem Gehalt veröffentlicht.....Na ja, immerhin auf piqd stimmt die Quote:)

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Zeit und Geschichte als Newsletter.