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Zeit und Geschichte

Moritz Hoffmann
Freier Historiker. Zeitgeschichte, Digitale Public History. Verantwortlich für @digitalpast und @9Nov38.
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piqer: Moritz Hoffmann
Freitag, 18.11.2016

Der göttliche Wind: Die letzten Kamikaze-Piloten

Der Zweite Weltkrieg ist eine gigantische Sammlung an Dingen, die für uns heute mit klarem Geist nicht nachzuvollziehen sind. Er zeigt die dunkelsten Seiten der menschlichen Möglichkeiten, Verbrechen, Leid und seltene Heldengeschichten. Eine dieser Geschichten, die den meisten von uns im Westen jeglicher Nachvollziehbarkeit entzogen ist, sind die japanischen Kamikaze-Flieger.

Diese Piloten, soviel ist allgemein bekannt, beschossen und bombardierten nicht nur amerikanische Kriegsschiffe, sondern stürzten sich zuletzt mit dem noch im Tank verbliebenen Treibstoff selbst auf die Boote, um auch die letzte Möglichkeit des Kampfes auszuschöpfen. Diese Methode, die sich mit den Kriegsgewohnheiten der USA überhaupt nicht vereinbaren ließ, führte nicht nur zu 3000 toten japanischen Piloten und 36 versenkten US-Schiffen, sondern auch zu einer sprunghaft ansteigenden Traumatisierungsrate der amerikanischen Soldaten.

Was treibt Menschen dazu, sich selbst mit einem Flugzeug zur Waffe zu machen? Und was fühlten jene, die dazu bereit waren, als der Krieg vorbei und sie nicht zum Einsatz gekommen waren? Irene C. Herrera hat einen Kurzdokumentarfilm mit Takehiko Ena und Hisao Horiyama gedreht, zwei alten Männern, beide nun weit über 90 Jahre alt, die zum Ende des Krieges bereit waren für ihr Land zu sterben - und die es dann nicht durften. Sie gehören zu den letzten lebenden Kamikaze-Piloten. Auf acht Minuten gelingt ihr ein für die Kürze eindrucksvolles Porträt, ein Blick in die Seele derer, die überlebt haben.

Der göttliche Wind: Die letzten Kamikaze-Piloten
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Kommentare 3
  1. Jürgen Klute
    Jürgen Klute · vor etwa einem Jahr

    Eine Ergänzung zu diesem Dokument. Sie schreiben, dass die Bereitschaft, sich als Kamikaze-Pilot zu opfern, aus westlicher Sicht kaum nachvollziehbar ist. Im wesentlich stimme ich Ihrer Feststellung zu – in jedem Fall gilt das für die alliierten Streitkräfte. Für die Nazis trifft das aber nicht so zu. Denn es gab 1945 auch in der damaligen Luftwaffe der Nazis Kamikaze-Piloten. Spiegel online hat darüber in der Rubrik "Eines Tages" einen Artikel:

    "Deutsche Kamikaze-Flieger Himmelfahrtskommando für Hitler | Mit einem Wahnsinnsplan wollte Hitlers Luftwaffe 1945 noch die alliierten Bomber stoppen: Per Rammstoß sollten deutsche Jagdflieger ihre Gegner vom Himmel holen und sich dann per Fallschirm retten. Tatsächlich kamen die Rammjäger noch zum Einsatz - und wenig später sogar 'Selbstopfer'-Piloten."

    Hier der Link auf den Artikel: www.spiegel.de/einestage...

    1. Moritz Hoffmann
      Moritz Hoffmann · vor etwa einem Jahr

      Danke für den Einwurf, der meinen Text gut ergänzt - meines Erachtens aber in keinem Widerspruch steht. Denn tatsächlich waren die "Selbstopfer"-Piloten der deutschen Luftwaffe ja 1) ein sehr kleines Phänomen, es kam zu kaum mehr als einem Einsatz und 2) vor allem sehr junge, unerfahrene Piloten, fast noch Kinder. Im Einzelfall ist also durchaus davon auszugehen dass es diese Opferbereitschaft auch hierzulande gab, von einer gesellschaftlich anerkannten Methode wie in Japan kann aber keine Rede sein.

    2. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor etwa einem Jahr

      @Moritz Hoffmann Da stimme mich Ihnen zu. Mir ging es in der Tat nicht um einen Widerspruch, sondern um eine Ergänzung Ihres Artikels.

      Mir ist diese Ergänzung auch aus aktuellem Anlass wichtig: Viele Menschen schauen entsetzt auf die Gräueltaten des IS, auf deren Zerstörungswillen und auf die Selbstmordattentäter. Der Blick auf Japans Kamikaze-Piloten, aber eben auch auf die Nazis erinnert daran, dass faschistische bze. faschistoide und terroristische Regime offenbar in Drucksituationen zu Handlungen bereit sind, die unter normalen Umständen unvorstellbar sind. Zumindest dieses Tendenz gab es bei den Nazis auch, als deren Terrorherrschaft unvermeidlich dem Ende entgegen ging. Wir sollten das nicht ganz vergessen, wenn wir voler Grauen auf die Gräueltaten des IS schauen.