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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Samstag, 19.03.2016

Das Schweigen der Frankfurter Schule

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Frankfurter Schule tonangebend in Deutschland: Deren Vertreter äußerten sich zu nahezu allen relevanten gesellschaftlichen Fragen. Doch zum dringendsten aktuellen Problem schweigen die Philosophen aus Frankfurt und ihre Erben weitgehend: zu den Flüchtlingen, die nach Europa kommen. 

"Wen auch immer man in der gegenwärtigen Debatte als tonangebend bestimmt – ob Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski, ob Slavoj Žižek, Herfried Münkler oder Navid Kermani –, eines fällt auf: Ehemalige Vertreter und Erben der Frankfurter Schule machen sich rar", stellt die NZZ fest. "Jürgen Habermas und der Soziologe Oskar Negt haben ihre Sympathie für eine grossherzige Aufnahme der Flüchtlinge bekundet, jedoch in eher beiläufigen Voten. Axel Honneth, der Leiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, übt stille Zurückhaltung. Nicht einmal der beharrlich die radikalen Positionen der 'Kritischen Theorie' fortschreibende Soziologe Detlev Claussen hat zur Flüchtlingsfrage bisher etwas von dem geliefert, was seine sonstigen Verdikte über nationale Identität, Ausschluss und Gewalt erwarten lassen würden."

Über den Tod – oder das Fortbestehen lasse sich noch nichts Entscheidendes sagen, stellt Joachim Güntner fest. Und weiter: "Die zeitweilige kulturelle Dominanz der Linken ist gebrochen. Sie haben sich im Überbau totgesiegt; der Kapitalismus funktioniert munter weiter. Eine ganze Reihe von Stichworten, welche die – in sich sehr heterogene – Frankfurter Schule dem Zeitgeist gab, sind verblasst."

Das Schweigen der Frankfurter Schule
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Kommentare 4
  1. Georg Wallwitz
    Georg Wallwitz · vor mehr als einem Jahr

    Jede Philosophische Schule hat ihre Zeit, der analytischen Philosophie oder der Phänomenologie geht es ja auch nicht besser. Und Popularphilosophen wie Sloterdijk gab es auch schon immer.
    Auch wenn das also alles nicht verwunderlich ist, ist es doch ein guter Artikel, der auf ein Welken hinweist, das ich jedenfalls nicht immer vor Augen habe.

  2. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · vor mehr als einem Jahr

    aus dem nzz-artikel: "die arbeit am grossen nein ist out, und die zurückhaltung kritischer theoretiker in der flüchtlingsdebatte zeigt an, wie vorsichtig sie gegenüber komplexen problemen geworden sind." diese einschätzung von joachim güntner ist sicher richtig. und diese zurückhaltung ist, zumindest mir persönlich, sympatischer als das geraune&gedröhne von peter sloterdijk. und wenn demnächst die kritischen theoretiker ihre zurückhaltung aufgeben, was ich hoffe, könnte ich mir als "einstieg" vorstellen – nein: würde ich mir wünschen! – daß sie der momentanen debatte in deutschland/europa den begriff "flüchtlingsströme" um die ohren hauen (er taucht ja leider auch im pitch text auf, hauke). bis dahin müssen wir uns wohl leider damit begnügen, die "flüchtlingsströme" als feuchtgebietsrhetorik zu entlarven und sie so, mit dem satirischen schlenker, für die debatte als unbrauchbar zu kennzeichnen. das wird auf dauer aber nicht ausreichen.

    1. Hauke Friederichs
      Hauke Friederichs · vor mehr als einem Jahr

      Vielen Dank für den Hinweis - Sie haben völlig Recht. Strom ist das falsche Wort. Ich korrigiere in der Meldung die Formulierung.

    2. Peter Schwede
      Peter Schwede · vor mehr als einem Jahr

      Strom ist doch nicht feucht!? Er ist elektrisch!