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Zeit und Geschichte

"Das gute Leben hat eine nicht fossile Zukunft" – Armut und Klima

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergFreitag, 10.06.2022

Auf den Schultern des Historikers Dipesh Chakrabarty und des Philosophen Pierre Charbonnier blickt Daniel Graf in einem Beitrag der Schweizer Republik auf die soziale Frage in Zeiten der Klimakatastrophe:

Die Klimakrise wird nur zu bewältigen sein, wenn wir sie auch als soziale Frage begreifen. Ökologische Fragen sind von Fragen sozialer Gerechtigkeit nicht zu trennen.

Das ist und bleibt fundamental. 

Veranschaulicht wird die Lage wie bei der Republik üblich und hilfreich mit vielen Links zu anderen Beiträgen und diesmal mit Fotos von Sébastien Leban von den Malediven, wo sich solche Konfliktlagen brennpunktartig verdichten.

Der Beitrag verhandelt planetarische Belange, die schon am Beginn des Industriezeitalters aufkamen und die heute im wahrsten Sinne brennende Aktualität erlangen.

Wie immer ist die Realität zerklüfteter und widersprüchlicher als gemeinhin gedacht.

Die Pointe, die Charbonnier aus der Summe minutiöser Einzel­lektüren heraus­profiliert: Die Art und Weise, wie moderne Gesellschaften ihre Fortschritts­versprechen konzipiert und (immer nur für manche Menschen) verwirklicht haben, basierte im Lauf der Jahrhunderte in immer höherem Masse auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

Nicht zuletzt deshalb fällt der Ausstieg so schwer.

Charbonnier sieht nicht nur die Geschichte des Fortschritts und die Geschichte des Verfalls, sondern verbindet sie zu einer verbundenen und verflochtenen Geschichte:

Es ist möglich, zumindest für einige, in einer Welt, die sich verschlechtert, besser zu leben.

Spannend sind die verschlungenen Nebenwege, die hier skizziert werden, aber die im Hauptweg münden:

Der sogenannte Westen ebenso wie der Nichtwesten müssen beide erkennen, dass der bisherige westliche Weg zum Wohl­stand nicht mehr tragfähig ist. Für die reichsten Länder bedeutet das: Selbst­korrektur. Für die aufstrebenden Länder: Abkehr vom falschen Vorbild. Und für die Menschheit gemeinsam: ein Gerechtigkeits­denken, das sich weder im Historischen noch im Zwischen­menschlichen erschöpft.

Bei aller Hoffnung, die die Erkenntnis der Lage bringen kann, sind und bleiben die Hürden gewaltig. Hitzewellen toben vor allem im globalen Süden; in vielen entwickelten Ländern war der Overshoot Day in diesem Jahr bereits im Mai erreicht. Das heißt, an diesem Tag sind alle Ressourcen des Jahres verbraucht, die nach Ansicht des Hauptstroms der Experten diesen zustehen ohne Gefahr der Verschärfung.

Quasi zur selben Zeit verkündeten die Vereinten Nationen in einem Bericht, dass die Marke von 1,5 Grad Erderwärmung zeitweise schon bis zum Jahr 2026 überschritten werden könnte.

Zweitausendsechsundzwanzig ist in vier Jahren!

Werden wir das winzige Zeitfenster nutzen oder trudeln wir auch hier in ein Katastrophenzeitalter?


"Das gute Leben hat eine nicht fossile Zukunft" – Armut und Klima

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Kommentare 9
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor 6 Monaten

    Wir sind bereits in einem Katastrophenzeitalter. 1,5 Grad war ja das absolute Limit, von dem man dachte, es sei gerade noch managebar. Die Grenze wird sich ohnehin kaum noch halten lassen und die Auswirkungen kann man täglich beobachten. Feuer in Australien, Hitze in Indien, Ernteausfälle und Überschwemmungen.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 6 Monaten

      Einverstanden, global gesehen, sind wir schon in einem Katastrophenzeitalter, allerdings wird es hierzulande von vielen noch nicht wahrgenommen und noch ist es im Alltag nicht deutlich zu spüren. Man muss es wahrnehmen können.

      Oder es blitzt bei einer Überschwemmung oder einem Tornado mal kurz auf.

      Ein Tempolimit könnte kommen, so las ich vorhin im SPIEGEL, wegen ... na, wegen was: Putin.

      Die Dreieinigkeit von Klima-, Friedens- und soziale Frage wird immer noch zu wenig wahrgenommen, geschweige denn wird danach gehandelt.

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 6 Monaten

      @Achim Engelberg Doch, es ist auch hier zu spüren. Jeder Landwirt, jeder Winzer merkt das. Der trockene Wald ist auch vielerorts nicht zu übersehen. Letztes Jahr sind viele Menschen in einer Flutkatastrophe gestorben. Es gab in Europa extreme Hitze, viele Brände.
      Das ist die Klimakatastrophe. Wir sind mittendrin, ab hier wird es nur schlimmer.

    3. Uwe Protsch
      Uwe Protsch · vor 6 Monaten

      @Daniela Becker Es ist nicht klar, ob die Flutkatastrophe mit der Klimakrise zusammenhängt! Vor ca. hundert und auch vor ca. 200 Jahren gab es ebenfalls exorbitante Überschwemmungen im Ahrtal. Nur war die Zahl der Todesopfer viel geringer, weil die Gegend noch nicht so dicht besiedelt war. Ich will mit dieser Anmerkung keineswegs die Situation beschönigen, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass Klimafragen eben auch Fragen der Raumordnung, der Landschaftsplanung und der damit einhergehenden sozialen Auswirkungen sind.

    4. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 6 Monaten · bearbeitet vor 6 Monaten

      @Uwe Protsch Doch, die stehenden, sehr extremen Regenfälle zu der Zeit in diversen Regionen in Europa waren sehr wahrscheinlich durch Klimawandel verursacht. Das Ahrtal hat zudem eine sehr spezielle Trichterlage und ungute Bebauung, deswegen ist es dort zur Katastrophe gekommen. Hier die PM des DWD https://www.dwd.de/DE/...

    5. Uwe Protsch
      Uwe Protsch · vor 6 Monaten

      @Achim Engelberg Für mich bedeutet der planetarische Ansatz, dass wir das Denken in Nationalstaaten überwinden müssen. Leider sind dank Putin Nationalstaaten gerade wieder als Akteure dominant. Aber wenn bei globalen Fragen jedes Land bzw. jede Region weiter vor sich hinwurschtelt, dann wird es zu keiner Lösung kommen. Um nochmal den Ukraine-Krieg zu strapazieren: Es zeigt sich gerade drastisch, wie dringend bei Lebensmitteln, Lieferketten und Sicherheit über den Tellerrand hinaus gedacht werden muss.

    6. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 6 Monaten · bearbeitet vor 6 Monaten

      @Uwe Protsch Zur Nationenfrage:

      Da in den letzten Jahrzehnten immer mehr Nationalstaaten entstanden sind (zum Beispiel die Nachfolger Jugoslawiens oder der Sowjetunion), da die alten Nationalstaaten nicht aufhören, ja, einige neue noch gegründet werden, sind für mich Nationen in absehbarer Zeit nicht zu überwinden.

      Wir brauchen stärkere transnationale Organisationen und Bewegungen, die stärker vernetzt sind.

      Gleichzeitig sollte sich jede und jeder in seinem Nationalstaat dafür einsetzen, dass dieser ein Vorreiter bei Entwicklungen zur Eindämmung der Klimakatastrophe ist.

      Zur Klimabewegung:

      Natürlich bemerkt man Schäden und anderes infolge der Klimakatastrophe auch hierzulande oder auch in anderen Ländern Zentraleuropas, aber nicht so stark wie in anderen Regionen.

      Manche Berufsgruppen sind alarmiert, aber nicht die breite Masse.

      Deshalb und weil die Klimakatastrophe stets mit anderen Krisen verbunden ist, plädiere ich für Bündnisse.

      In meinem Buch AN DEN RÄNDERN EUROPAS formulierte ich es so:

      Besserung ist wohl erst möglich, wenn das beherzigt wird, was Bruno Latour so formuliert: »Jetzt, da alle die Schotten dicht machen, ist offenkundig ein denkbar schlechter Augenblick, um über offene Grenzen und eine Revolution der Lebensweisen zu reden. Eins muss uns aber klar sein: Migration und neues Klimaregime, die Bedrohung ist ein und dieselbe.«
      Nur wenn die Klimabewegten ihr berechtigtes Anliegen nicht einseitig betrachten, sondern als untrennbar verbunden mit den mannigfachen Krisen, die sich in Flucht und Migration zeigen, werden sie darauf angemessen reagieren können. So zwingen etwa die Heuschreckenplagen in Ostafrika und Südasien, die von nahezu allen
      Wissenschaftlern auf die Klimakatastrophe zurückgeführt werden, Millionen zur Flucht vor Armut und Hunger.

      Zitat Ende.

      Letzteres - Armut und Hunger - ist die soziale Frage. Offensichtlich kommen die beiden im piq vorgestellten Autoren - ein französischer Philosoph und ein indischer Historiker, der in Chicago arbeitet - zum gleichen Ergebnis.

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 6 Monaten

    es wird nicht rechtzeitig was getan. Es müssen erst weit aus schlimmere Dinge vor Ort passieren bevor. .. und selbst dann wird es schwierig; auch je nach Regierungspartei die gerade herrscht und welche Wahl gerade ansteht. Auch Zufälle spielen eine Rolle: z.B. wie nah zeitlich ein Hochwasser an einer Wahl passiert (oder eben nicht nah genug) oder wenn eine Umweltpartei kurz davor (angebliche?) Plagiatsvorwürfe zu hören bekommt....
    und wie verflochten alle mit den Großkonzernen sind.
    oh ja das ist recht "kommunistisch" gar revolutionär formuliert.
    Aber drunter geht es schon lange nicht mehr!

    Klimapolitik geht nicht ohne Sozialpolitik - wird gebetsmühlenartig behauptet - meist um Klimapolitik erst mal zu verschieben oder stark zu verwässern.
    Aber ja: Klima ist sozial relevant: weil die Ärmsten (=weltweit und hier vor Ort, wobei hier sie Ärmsten natürlich reich sind im Vergleich) am wenigsten zur Verschlechterung beitragen und am meisten darunter leiden / leiden werden.
    Demokratie soll ja zwischen sozial und finanziell mächtigen Einzelgruppen und der Mehrheit ausgleichen und hat das auch oft getan. Aber aktuell dauert das (zumindest in der repräsentativen Form) durch starke Lobbyverbände und Politiker im vorauseilendem Gehorsam zu lange.
    Schade.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 6 Monaten

      Ja, die Veränderungen sind zu langsam und zu wenig. Und dazu kommt immer drängender die Friedensfrage.

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