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Zeit und Geschichte

Brauchen wir auch positive Erinnerungsorte?

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergMontag, 07.12.2020
In den letzten Jahrzehnten entstanden etliche Denkmäler der deutschen Schuld, etwa das Holocaustdenkmal in Berlin.

Die drei renommierten Autoren Herfried Münkler, Hans Walter Hütter und Peter Cachola Schmal fassen zuerst die Erinnerungskulturen im geteilten Deutschland zusammen. Die Bonner Republik

war ein ausgesprochen symbolarmer Staat – im Unterschied zur DDR, die sich in die Tradition des Bauernkriegs von 1525, der antinapoleonischen Befreiungskriege mitsamt der russisch-preußischen Waffenbrüderschaft und schließlich in die des antifaschistischen Widerstands gestellt hatte und diese drei historischen Legitimitätsansprüche auch denkmalpolitisch präsent hielt. Im Westen verzichtete man auf die Ausgestaltung analoger Legitimationsstränge, weil man sich als politisches Provisorium verstand und deswegen keine separaten Legitimationslinien ausgestaltete.

Die drei Autoren plädieren für positive Erinnerungsorte und diskutieren das am Beispiel der Frankfurter Paulskirche, die für sie nicht nur ein Ort der gescheiterten Revolution 1848/49 ist, sondern ein Platz, in dem etliches entstanden ist, was weiterwirkt. Die dort entstandene Verfassung trat nie in Kraft, denn die Demokraten wurden auseinandergetrieben. Einige sogar hingerichtet, etliche kamen ins Gefängnis, nicht wenige gingen ins Exil.

Was soll daran positiv sein?

Die dort entstandene Verfassung wirkt bis heute:

Dieser Typ von Verfassung, in dem nicht eine politische Linie dominiert, sondern die Verfassung zur Ermöglichung eines Neben-, Mit- und (friedlichen) Gegeneinanders unterschiedlicher Sichtweisen wird, hat ihren kontinental-europäischen Ursprungsort in Frankfurt. Hier beginnt, was man heute als reflexiv-deliberative Demokratie bezeichnet, die den Gegenpol zum plebiszitär-populistischen Verfassungstyp bildet. Insofern gibt es eine starke Verbindungslinie, die von der Frankfurter Nationalversammlung bis zur politischen Verfasstheit Deutschlands in der Gegenwart reicht. Sie verdient es, stärker und besser erinnert zu werden als bisher.

Deshalb erläutern die drei Autoren wie dieser Gründungs- und Ursprungsort auch emotional ansprechend umgestaltet werden könnte. Und zwar möglichst bald und nicht erst, wenn die Gegner des Rechtsstaats sich dieses Platzes bemächtigt haben und ihn für den Abbau der Demokratie nutzen.

Erinnerungsorte und Denkmale sind zentrale Elemente im kollektiven Gedächtnis eines sozio-politischen Verbandes und damit elementar für dessen Selbstverständnis. Sie sind Symbole für die Zusammengehörigkeit einer Nation, die den Fliehkräften des sozialen Lebens und politischen Betriebs entgegenwirken.

Ihr Vorhaben soll weit über den Sanierungsbeschluss der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung vom November 2019 hinausgehen.

Wie sie das Vorhaben konkret ausführen, so kann man sich ihrem Fazit zustimmen:

Es ist ein Vorhaben von nationaler Bedeutung mit internationaler Ausstrahlung, es ist für die Festigung der Demokratie in Deutschland von erheblicher Bedeutung. Gerade deshalb darf dieses Vorhaben keine ferne Vision bleiben. Vielmehr sollten Stadt, Land und Bund dieses Projekt gemeinsam und entschlossen angehen.

Brauchen wir solche Stätten?

Welche anderen Orte könnten positiv-weiterwirkende Plätze der deutschen Geschichte sein?

Bei dieser Veranstaltung werde ich neben anderem Herfried Münkler dazu fragen. Wer Zeit und Lust dazu hat, kann sich das am kommenden Donnerstag in Echtzeit ansehen. Anschließend gibt es alles als digitale Konserve.

Brauchen wir auch positive Erinnerungsorte?

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Kommentare 4
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 11 Monaten

    Ja wir brauchen solche Erinnerungsorte, Denkmäler der Demokratie und der Republik.
    "DemokratieFeiern" - ein Projekt in Waldeck-Frankenberg - greift diesen Gedanken auf: wir benötigen demokratie-rituale und emotionale Füllungen von dem was Verfassungspatriotismus genannt wird. www.demokratiefeiern.de

  2. Uwe Protsch
    Uwe Protsch · vor 11 Monaten

    Ich fand es damals sehr gelungen (falls dieses Wort erlaubt ist), dass die Wehrmachtsausstellung in der Paulskirche gezeigt wurde. Unsere Geschichte ist geprägt von Extremen im Guten wie im Bösen; und dieser Gegensatz wurde seinerzeit spürbar; so empfand ich es zumindest.

    Andererseits könnte die Klassifizierung als Denkmal auch dazu führen, dass die Bevölkerung die Paulskirche als "historisch" und damit nicht mehr relevant wahrnimmt. Besser wäre m.E. eine Lösung wie die Anne-Frank-Bildungsstätte, die mit Ausstellungen und Workshops auch und gerade zu aktuellen Themen Stellung bezieht.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 11 Monaten

      Danke für den Hinweis, so scheint es aber auch geplant. Im Text heißt es u. a.

      "Historisch-politische Bildung soll stets informativ, sachlich und wissenschaftlich basiert sein, muss aber auch emotional ansprechen und lebendig präsentiert werden. Kurzum: Die Paulskirche, der authentische, historische Ort kann – baulich und gestalterisch aktualisiert – die geschichtlichen Ereignisse verkörpern. Das „Haus der Demokratie“ kann die Historie mit der Gegenwart verbinden. Als Lernort soll es der Information über die Demokratie in Deutschland und als Ort der Kommunikation die kritische Auseinandersetzung, aber auch die Verbundenheit mit der Demokratie fördern."

      Aber ich frage Herfried Münkler dazu bei der Veranstaltung am Donnerstag, dann werden wir es genauer wissen.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 11 Monaten

      @Achim Engelberg Wenn es nach Herfried Münkler ginge, soll es auch aktuelle Debatten geben.

      Aber soweit sind wir noch nicht: Momentan müssen solche positiven Erinnerungsorte von nationaler und internationaler Strahlkraft durchgesetzt werden.

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