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Wissenschaft und Forschung

Nicola Kuhrt
Medizinjournalistin
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piqer: Nicola Kuhrt
Donnerstag, 01.08.2019

Nachgefragt: Japan erlaubt Geburt von Mischwesen aus Mensch und Tier

Es sei ein „Schritt über den Rubikon“, erklärte SPD-Politiker Karl Lauterbach gegenüber dem SPIEGEL. Mit der Züchtung von Mensch-Tier-Wesen, wie sie nun in Japan erlaubt sein wird, machten sich Menschen „selbst zu Göttern.“ Das Vorhaben der Forscher wäre ein „ethischer Megaverstoß“.

Was ist gemeint? 

Japanische Forscher haben eine Genehmigung zur Zucht von menschlichen Organen in Tieren erhalten. Ein Gremium des Wissenschaftsministeriums gestattet den Beginn der Forschung mit menschlichen Stammzellen, die in Tierembryonen eingepflanzt und von Tieren ausgetragen werden sollen.

Die Idee ist simpel: Nimm menschliche Stammzellen und spritze sie in einen frühen tierischen Embryo. Handelt es sich etwa um ein Schwein, das aufgrund eines Gendefekts ein Organ, beispielsweise die Bauchspeicheldrüse, nicht mehr bilden kann, springen die menschlichen Zellen im Laufe der Entwicklung ein und bilden das lebenswichtige, Insulin produzierende Organ. Es wächst ein Schwein mit menschlicher Bauchspeicheldrüse, die dann entnommen und etwa schwerkranken Diabetespatienten eingepflanzt werden kann.

Ziel der Forschung insgesamt ist es, später einmal Menschen zu helfen, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten. Weltweit wurden bislang nur Versuche mit Embryos aus Mensch- und Tierzellen genehmigt, die nach einigen Tagen getötet wurden, berichtet Sascha Karberg.

Mit seinem lesenswerten Stück für den Tagesspiegel, versteht man nicht nur, was der Forscher Hiromitu Nakauchi vorhat...

Vorerst will Nakauchi chimäre Maus-Mensch-Embryonen nur etwa 14 Tage lang heranwachsen, also nicht bis zur Geburt auswachsen lassen. Bei den entsprechenden Rattenexperimenten ist ein Abbruch nach rund 15 Tagen geplant. Sollten diese Experimente vielversprechend verlaufen, will Nakauchi, dem Fachblatt "Nature" zufolge, chimäre Embryonen bis zu 70 Tage in Schweinen züchten.

...sondern auch, warum ausgerechnet dieser Forscher überhaupt die Erlaubnis dafür bekommen hat:

Nakauchi hatte 2010 von sich Reden gemacht, als es ihm mit der Methode gelang, in Mäusen eine Bauchspeicheldrüse zu züchten, die fast ausschließlich auch Rattenzellen bestand. Den Mausembryonen fehlte ein Gen (pdx-1), so dass sie im Laufe der Embryonalentwicklung selbst keine Bauchspeicheldrüse mehr hätten bilden können und gestorben wären. Doch die Injektion mit embryonalen Stammzellen ("induzierte pluripotente Stammzellen", ipS) aus der Ratte "rettete" die Tiere.

Karberg fragt, ob derartige Versuche auch in Deutschland möglich wären (nein), welche Probleme es technisch gibt und reflektiert, ob diese Versuche ethisch überhaupt statthaft sind (jein). 

Weitere Forscher kommen in dem Text zu Wort, sie bezweifeln, dass die Technik jemals gut funktionieren wird, sie halten andere Ansätze für vielversprechender: So arbeiten Wissenschaftler daran, ausgewachsene Tierorgane so umzugestalten, dass sie Patienten eingesetzt werden können. Das dürfte Karl Lauterbach vielleicht ein wenig beruhigen. 

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