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Wissenschaft und Forschung

Paul Boes
Doktorand theoretische Physik
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piqer: Paul Boes
Montag, 20.05.2019

Eine Stadt ist immer nur so groß wie ihre Öffis.

Die Idee hinter dem heutigen piq finde ich besonders schön, weil sie einfach, elegant und wichtig ist: Wenn in einer großen Stadt alle Leute immer im Verkehr feststecken, dann reduziert sich die Population dieser Stadt effektiv, sodass genau diejenigen Dynamiken, die Großstädte normalerweise zu wirtschaftlich besonders produktiven Orten machen, auf der Strecke bleiben.

Genau das suggerieren, grob gesagt, die Ergebnisse einer aktuellen Studie von drei Forschern des Open Data Institute Leeds. Sie haben versucht zu erklären, warum in Deutschland, Frankreich und den USA größere Städte auch meist eine größere Pro-Kopf-Produktion aufweisen, aber im Vereinigten Königreich nicht. Die Antwort, die sie finden, ist erst unglaublich und dann einleuchtend: In letzterem sitzen die Leute in mittelgroßen Städten so viel im ÖPNV fest, dass die Ballungsraum-Effekte, die normalerweise für den Anstieg der Pro-Capita-Produktion verantwortlich gemacht werden, nivelliert werden durch die kleinere "effektive" Bevölkerungsgröße dieser Städte. Natürlich gibt es in Deutschland und Frankreich auch Berufsverkehr, aber im UK sind die U-Bahnen viel weniger ausgebaut als etwa hierzulande, sodass der öffentliche Verkehr vor allem auf Bussen basiert, deren Fahrzeiten deutlich stärker der Rushhour ausgesetzt sind. 

Der Artikel führt sehr angenehm und verständlich durch die verschiedenen Schritte der Analyse, sodass man die Schlussfolgerungen der Autoren gut nachvollziehen kann. Gleichzeitig ist der Artikel nicht peer-reviewed und offensichtlich müsste man noch weitere Tests durchführen, um zu entscheiden, ob es sich bei der Verbindung zwischen Per-Capita-Output und ÖPNV wirklich um einen kausalen Zusammenhang handelt. Aber in jedem Fall ist die Idee plausibel und die Lektüre stimulierend.

Eine Stadt ist immer nur so groß wie ihre Öffis.
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