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Volk und Wirtschaft

Wir armen Deutschen – wahr, halbwahr oder falsch?

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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Thomas WahlMittwoch, 02.06.2021
Wie steht es mit der Armut in Deutschland und was meinen die Bürger darüber? Wie nahe kommt die Meinung der Realität? Diesen Fragen widmet sich eine neue Studie dreier Forscherinnen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft und der Ruhr-Universität Bochum. Das nicht überraschende Ergebnis: Wir sind ein pessimistisches Volk. Und es gilt:
Der Mensch hat seine politischen Wahrheiten, und von diesen lässt er sich kaum abbringen. Er hört sie im Radio, er sieht sie im Fernsehen, er liest sie in der Zeitung. Und in den sozialen Medien. Gäbe es eine Hitliste dieser Wahrheiten, die steigende Armut, insbesondere unter Rentnern, wäre ganz vorne dabei. Andere Beispiele? Ausländer sind besonders häufig arbeitslos.
Zwar wird über die Zahlen häufig berichtet, aber in großen Teilen des Volkes herrscht ein völlig überzogenes Bild zur Armut vor. Der Schwellenwert für Armut liegt für Alleinlebende bei 1074 Euro monatlich, bei vierköpfigen Familien bei 2256 Euro. Fragt man nun, wie viele von 100  Rentnern von Armut bedroht sind, liegt der geschätzte Medianwert bei 48 %, der Mikrozensus kommt auf 17 %. Ähnlich bei der Arbeitslosigkeit von Ausländern in Deutschland – die Statistik sagt, 16 % der Ausländer im arbeitsfähigen Alter suchen Arbeit, geschätzt werden 36 %. Wo kommt diese Verzerrung her und was kann man dagegen tun?
Beim genaueren Hinschauen sahen die Forscherinnen, dass sich die Befragten grob in zwei Gruppen einteilen ließen. Die einen gaben grundsätzlich in ihren Antworten Schätzungen ab, die sehr weit von den tatsächlichen Zahlen entfernt lagen – diese erste Gruppe machte knapp 42 Prozent der Befragten aus. Die Antworten der anderen 58 Prozent in der zweiten Gruppe lagen insgesamt wesentlich näher an den tatsächlichen Werten – was nicht heißt, dass sie sonderlich nah an der Realität gewesen wären. „Auch die durchschnittlichen Überschätzungen in der zweiten Gruppe sind substanziell“, sagt Studienautorin Judith Niehues. Doch bei der Frage zum Armutsrisiko im Alter lagen sie im Mittel um 30 Prozentpunkte besser.
Dabei zeigt sich, Menschen, die sich ausschließlich in sozialen Medien  (Facebook, TikTok oder Instagram) informieren, fanden sich besonders häufig in der Gruppe, die in ihren Schätzungen sehr danebenlag. Zwar waren Menschen, die parallel dazu auch traditionelle Medien (öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Zeitungen) nutzten, eher in der zweiten Gruppe, der mit dem realistischeren Blick. Aber auch die durchschnittlichen Überschätzungen in der zweiten Gruppe sind substanziell, sagt Studienautorin Judith Niehues. Bei der Frage zum Armutsrisiko im Alter lagen sie im Mittel um 30 % besser. Dramatisch ist das Bild bei Anhängern der AfD. Diese haben ein besonders schlechtes Bild vom Zustand unseres Landes, was sie wohl so radikalisiert:
Ihre Überschätzung der Armutsbedrohung unter Rentnern (60 Prozent) und der Arbeitslosigkeit unter Ausländern (50 Prozent) fällt noch einmal deutlich höher aus. Und auch in der Mediennutzung unterscheiden sie sich vom Rest der Bevölkerung: Gut jeder dritte AfD-Anhänger nutzt häufig traditionelle Medien – unter den übrigen Befragten sind es 56 Prozent.
Sicher spielt auch die Einordnung der Fakten durch die traditionellen Medien in pessimistische Erzählungen eine Rolle. Insofern könnte ein positiver urteilender Journalismus eine Veränderung im Tenor bewirken:
Es gebe ein „Konglomerat an Fehleinschätzungen und Sorgen, die sich sicherlich nicht durch eine schlichte Konfrontation mit den Fakten verändern werden“, schreiben die Autoren in ihrer Studie. Vielleicht würden „wirkmächtige“ positive Erzählungen, die zum Umdenken anregen, in den Köpfen fest verankerte Urteile verändern.

So bietet der Armuts- und Reichtumsbericht umfangreiche Daten über die Einkommen und Vermögen der Deutschen, ihre Aufstiegschancen und die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. Und man kann ihn so oder so interpretieren. 

Die Armut verfestige sich, die Aufstiegschancen in die untere Mittelschicht seien nach wie vor schlecht – so kann man den Zustand des Landes beschreiben. Niehues beschreibt ihn aber so: „Die Arbeitslosigkeit verringerte sich, die Beschäftigungssicherheit stieg, und auch die Anzahl langzeitarbeitsloser Menschen ging zurück.“

Wir müssen m. E. weg von unserem pessimistischen Grundtenor in der Einschätzung unserer sozialen Realität. Ein Glas, das man ständig als eher leer sieht, macht Angst, nicht kreativ. Leider ist der Artikel hinter der Bezahlschranke – aber bei Blendle für kleines Geld zugänglich.

Wir armen Deutschen – wahr, halbwahr oder falsch?
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Kommentare 10
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 16 Tagen

    oje. War ja klar. Die unten stehenden Kommentatoren lassen sich darüber aus wieso trotz der tatsächlichen Zahlen die Armut doch viel größer schlimmer ist etc. (und warum nicht).
    1. Der Artikel sagt ja nicht dass es keine Armut gibt und nicht jede Armut schon Sch... ist.
    2. Der Artikel sagt auch nicht(s darüber), dass nicht unsere Gesellschaft ungerechter geworden ist.
    Aber die sozialen Medien - und nicht nur diese - vermitteln ein schiefes Bild.
    klar bei den Zahlen wüsste ich auch gern vergleichend die internationalen und unsere im Bezug etc. Aber dass zb "nur" 17 % der Rentner von Armut bedroht sind, ist doch erstmal eine Ansage.
    Ich hätte vermutlich auch höher geschätzt.
    (Bei den Ausländern wäre ich fast richtig gelegen, allerdings arbeite ich in diesem Bereich).

    Wir verschätzen uns schnell. Das sahen und sehen wir zb auch bei der Risikobewertung zu Astrazeneca im Vergleich etwa zur Pille...

    Mathematik und Statistik - müssten wir alle unsere Allgemeinbildung verbessern.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 16 Tagen

      Auf die globalen "Armutszahlen" hatte ich ja hingewiesen:

      https://www.piqd.de/us...

  2. Der Barde Ralph
    Der Barde Ralph · vor 18 Tagen

    Es ist sehr unklar, was dieser Bericht, dieser Artikel eigentlich will.
    Vielleicht liegt es ja an mir aber über die real existierende Armut in der BRD und deren Gründe, habe ich nichts gelesen oder wahrgenommen.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 18 Tagen · bearbeitet vor 18 Tagen

      Die real existierende Armut in der Bundesrepublik ist relativ und kleiner als gefühlt. Und dieses Gefühl ist verfestigt, was ein schiefes Bild über unsere Realität ergibt. Es entsteht u.a. durch die Medien und ihre unterschiedliche Nutzung. Mehr wollte der Artikel nicht sagen. Die Klagen über Armut stehen in vielen anderen Artikeln …..

  3. Harald Stengl
    Harald Stengl · vor 18 Tagen

    Fortsetzug Teil 2:

    In den letzten 20 Jahren hat es also eine Verschiebung der Arbeitsplätze von "normal" bezahlt zu schlecht bezahlt gegeben. Zwischen ca. 2005 und 2015 hat dieses untere Drittel sogar weniger verdient als noch Anfang der Nuller Jahre.

    Die Entwicklung drückt sich auch bei der Lohnquote aus, die in den letzen 20 Jahre um 5 % Punkte gefallen ist. Immer weniger bekommen also immer mehr. Natürlich hat diese Entwicklung Ihre Rückwirkung auf die Renten. Die niedrigen Löhne wirken sich genauso negativ aus wie die gekürzten Rentenhöhe in der Rentenformel (natürlich betrifft das Beamte und Politiker weit weniger).

    Aber versuchen wir doch einmal einen Blick in die Zukunft.

    Wenn Maschinen von sich aus melden können wo Sie Probleme haben bzw. bekommen könnten, weil die Überwachung gut funktioniert, dann brauche viele Qualifikation nicht mehr. Während es früher wichtig war zu verstehen, was die Maschinen macht und ein Ohr dafür haben muß um zu hören ob die Maschine rund läuft fällt das in Zukunft weg. Am Ende brauche ich nur noch jemanden der einen Schraubzieher halten kann und den ich von der "Zentrale" aus führen kann. Ob die Zentrale in Berlin, im Bayerischen Wald oder in Australien ist, ist unerheblich. Folge: Viele Arbeitnehmer müssen weniger wissen und einige Arbeitnehmer mehr. d.h. die Zahl der schlecht bezahlten Arbeitsplätze wir noch breiter.

    Ähnliche Beispiele lassen sich gerade in den Büroberufen wird. Gerade in den Büros stehen die Rationalisierungswellen noch bevor.

    Das IAB sagt, das es von Jobverlusten in den nächsten 10 Jahren von insg. 4 Mio Arbeitsplätzen ausgeht, was vermutlich eher zu klein ist, wenn ich mir die div. Technologienen anschaue.

    Gleichzeitigt spricht das IAB von 3,3 Mio neuen Jobs. Leider konnte bisher kein Vertreter des IAB sagen, wie sie auf die 3,3 kommt. Weder konnte man mir Berufe oder Kompetenzen nennen die ich anstreben sollte um einen dieser 3,3 Mio zu bekommen.

    Das ganze endet dann in Aussagen das man mehr Pflege Berufe braucht. Leider kann man mir nicht sagen, wie die vielen Rentner denn diese Pfelge bezahlen soll und wo sind die restlichen bis zu den 3,3 Mio?

    Die Berufe die von Bertelsmann, World Economic Forum etc nennen sind Gamedesigner, Datenanalysten etc. Und?
    Wiewieviele braucht man davon?
    Warum sollten die Unternehmen diese nicht in Indien einkaufen wo die Löhne signifikant niedriger sind? Die Ergebnisse lassen sich ja Problemlos transferieren?

    Vielleicht gibt es in dieser Runde Leute die mir diese Fragen beantworten kann.

    Ich bin mal gespannt.

    In jeden Fall. Die Inhaltliche Aussagekraft dieses Artikels und der zugrundliegenden Studie ist überschaubar.

    Harald Stengl

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 18 Tagen · bearbeitet vor 18 Tagen

      Also ja, im unteren Bereich hat es eine Verschiebung gegeben. Ob die Bezahlung jetzt schlecht ist oder etwas schlechter liegt in den Augen des Betrachters. Normal waren die Löhne in Deutschland nice. Global gesehen waren diese Löhne immer ziemlich hoch und sind es noch. Die Lohnquote ist in den letzten Jahren nicht um 5% gesunken. Sie liegt heute ziemlich genau da wo sie 1991 auch lag, bei ca. 74%. Eigentlich war sie nur Anfang der 80er Jahre 1 - 2% höher, als es der Wirtschaft sehr schlecht ging. Ich denke, in Zukunft werden sehr viele Arbeitnehmer sehr viel mehr wissen müssen. Die intelligenteren Maschinen müssen nämlich von intelligenteren Menschen konstruiert werden. Und der Glaube, es gäbe in naher Zukunft wirkliche künstliche Intelligenz ist falsch. Was auch immer da an Vorhersagen kursiert, die Zukunft enthält Chancen und Risiken. Und ist offen. Insofern sind auch ihre Einwände überschaubar vorläufig. Wenn Sie wirklich einen sicheren Job suchen, ist es eigentlich nicht so schwer sich zu entscheiden. Studieren Sie ein MINT-Fach oder werden Sie Mechatroniker, Handwerker, was auch immer. Gute Arbeitnehmer werden absehbar knapp in Europa. Versuchen Sie mal einen guten Handwerker zu bekommen ….

      Und viele werden in den Pflege- und Gesundheitsberufen arbeiten. Das wird ja nur zum gewissen Teil von den Rentnern finanziert. Dieser Arbeitnehmer Markt wird dort zu höheren Löhnen führen. Sehen wir ja gerade. Das Verhältnis zw. der Zahl der Rentner und der der Arbeitnehmer verschiebt sich nämlich. Immer weniger Arbeitende stehen immer mehr Rentnern gegenüber. Sie mögen dieser Statistik glauben oder nicht. Das muß sich zwangsläufig auf die Rentenquote auswirken. Das kann kein Staat der Welt wirklich ändern. Nicht mal im Sozialismus war es möglich eine Rente zu zahlen, die auch nur in die Nähe des letzten Lohnes kam - im Gegenteil. Adenauer irrte, die Leute kriegen eben nicht Kinder so wie so.

      Die höhe der Lohnabschlüsse hängt natürlich nicht nur von der Stärke der Gewerkschaften ab sondern auch von der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, von der Nachfrage nach qualifizierter oder unqualifizierter Arbeit, von der globalen Situation usw.. Und was das letztere betrifft, da sind die guten Jahre vorbei, in denen der Westen technologisch, industriell bei der Produktivität und politisch unangefochten an der Spitze lag. Im unteren und mittleren Bereich und zunehmend im High Tech Bereich gibt es Wettbewerbrber in Asien z.B.. Es wird also anstrengend aber nicht hoffnungslos

    2. Harald Stengl
      Harald Stengl · vor 18 Tagen

      @Thomas Wahl Hallo Herr Wahl,

      Sie bestätigen im wensentlich ja meine Punkte. Selbstverständlich wird die Rentehöhe aufgrund der Demographie nach unten gehen. Die Alternative wäre ja nur länger arbeiten.

      Ich habe mit meinen Kommentar nur Ihr Statement widersprochen das es kaum Altersarmut gibt, was stand heute stimmt aber aus den von mir geannnten Gründen in Zunkunft sich grundlegend ändern wird.

      Ich habe mal bei Verdi nachgeschaut (https://wipo.verdi.de/...) -- Präsentation zur Tarifrunde 2016 - S.15. Dort sieht man das die Lohnquote von 2000 (71,9 %) auf 2015 68,0 % gefallen ist. Es geht mir nicht um den letzten Prozentpunkt aber in der gleichen Präsentation finden Sie auf S.20 auch ein Grafik über das auseinanderlaufen von Lohn und Gewinn.

      Fakt ist und das schreiben Sie ja auch, die Lohnquote ist gefallen d.h. es gelingt den Arbeitnehmern nicht mehr Ihren Anteil am Wachtum einzukassieren. Die Spaltung in eine kleine Schicht Reicher und viele Arme wird weiter zunehmen.

      Ich suche keinen neuen Job, insofern bin ich gut aufgestellt und werde auch eine guten Rente bekommen, aber der Glaube das Bildung ein gutes Einkommen sichert schon heute nicht mehr zutreffend. Es gibt zuviele Akademiker und schon heute können Sie am Arbeitsmarkt sehen das zunehmend Akademiker auf Berufe eingestellt werden, die früher mal Facharbeiter bekommen haben. Die Veränderungen am Arbeitsmarkt haben schon begonnen.

      Wenn Sie sich mal mit den div. Technologien beschäftigen stellen Sie fest, das das Rationalisierungpotential groß ist. IAB geht von 4 Mio also von 10 % aller Arbeitsplätze aus. Vor zwei Jahren hat mir ein Einkäufer erzählt das durch die Umstellung auf Blockchain die Abteilung von 12 auf 4 Mitarbeiter reduziert wurde. Es gibt Firmen die Lösungen anbieten die das komplette Backoffice im Versicherungsbereich (also die Fallbearbeitung) vollständig automatisiert. Auch wenn ich solchen Versprechen skeptisch, wird das aber Millionen von Arbeitsplätzen kosten.

      Und auch im Handwerk, Bau etc. lassen sich durch neue Technologien wie z.B. 3D Druck um 20 % an Arbeitszeit reduzieren.

      Entscheidend ist das mit den neuen Technologien diejenigen die Geld haben, es günstiger wird, aber was machen wir mit denen die kein Geld mehr haben. Im Schnitt bekommen Neurentner (also diejenigen die dieses Jahr in Rente gehen) knapp 1000 Euro. In den großen Städten ist das Hartz IV + Wohngeld.

      Wenn Sie Lust haben können wir uns gerne mal über die Folgen der Digitalisierung austauschen. Es läßt sich gut zeigen, das wir viele Millionen Arbeitsstunden weniger brauchen werden um das gleiche zu Produzieren.

      Mir ging es nur darum deutlich zu machen, das Ich Ihre Einschätzung und auch die der Wissenschaftler nicht teile und es jetzt mit den meisten Bürgern dieses Landes wirtschaftlich nach unten geht. Mir war wichtig dies auch zu begründen warum das so ist.

      Wenn Sie schreiben das es uns global betrachtet gut geht haben Sie recht. Aber wollen wir uns wirklich Zustände wie in USA, Indien oder im Kongo vergleichen?

      Sie haben in den wesentlichen Punkte auch nicht wiedersprochen. Anders als in Ihrer Antwort möchte ich noch einmal betonen das man die finanziellen Folgen insb. der Rente sehr gut berechnen kann, schließlich bekommen nur Beamte und Politiker durch Ihre Sonderregelungen viel Geld. Der Rest wird nach den Gehalt berechnet das man in den letzten 40 Jahren erhalten hat und diese Zahlen sind bekannt.

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 18 Tagen · bearbeitet vor 17 Tagen

      @Harald Stengl Wenn Sie glauben, dass das Rentenniveau wegen der Demographie zurück geht, warum sagen Sie dann Dank rot/grün/schwarz wäre es so? Es handelt sich bei diesen Angaben übrigens nur um die gesetzliche Rente. Sicher trifft es dabei die, die wenig verdient haben und keine Zusatzrente bekommen. Das ist aber eben nicht die Mehrheit und es sind nicht nur Politiker oder Beamte. Und der Artikel hat auch nicht behauptet es gebe kaum Altersarmut. Es gibt wesentlich weniger als unser pessimistisches Volk vermutet. Das aber nur zur Klarstellung.

      Nein, ich sage nicht, die Lohnquote sei gefallen, sie schwankt. Was bei solchen komplexen Systemen nicht ungewöhnlich ist. Schauen Sie sich die langfristigen Zahlenreihen an - bis 2020. es reicht nicht zwei Jahre zu vergleichen. Im übrigen ist die Lohnquote oft besonders hoch, wenn es Wirtschaft und Arbeitsmarkt schlecht geht. Eine hohe Lohnquote ist also nicht unbedingt ein Zeichen für hohe Gewinne sondern für eine hohe Relation zw. Löhnen/Gewinnen. In Krisenzeiten sinken i.d.R. die Gewinne schneller als die Löhne.Vergleichen Sie mal die 90er Jahre oder eben Anfang der 80er. Hohe Arbeitslosigkeit und hohe Lohnquote. Im übrigen ist die LQ erst seit den 60ern auf dem heutigen hohen Niveau.
      Das Auseinanderlaufen zw. Lohn und Gewinn läßt sich in Statistiken auch einfach hoch treiben. Sie müssen nur das Anfangsjahr der Zeitreihe so wählen, dass die Löhne da im Vergleich zu den restlichen Einkommen niedrig sind. Verdi tut das gern u. oft. Man sieht in diesen Kurven auch, dass Gewinne stark einbrechen - interpretiert das nur nicht.
      Sagten Sie nicht, nur Statistiken zu trauen, die selbst gefälscht sind? Also seien sie auch skeptisch gegenüber ihren Zahlen.

      Natürlich gibt es Rationlisierungspotential. Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit neuen Technologien und ihren Folgen. Solche Studien habe ich selbst beauftragt und betreut. Man bekommt heraus, was man an Annahmen hineinsteckt. Aber die Zukunft ist komplex. Noch im 19. Jh. waren etwa 80 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Die Rationalisierung hat sie auf 1 - 2 % reduziert. Auch die klassische Arbeiterklasse verschwindet. Und doch arbeiten heute mehr Menschen als je zuvor in D. Sie können also aus Rationalisierungspotentialen von bestehenden Technologien nicht wirklich auf zukünftige Arbeit schließen. Aber auf steigenden Wohlstand. Der in solchen Entwicklungsprozessen nicht wirklich gerecht verteilt wird/verteilt werden kann. Gesellschaften sind kaum linear steuerbar. Man sollte Politik nicht überschätzen. Wir werden in Zukunft für vieles was wir heute produzieren weniger Arbeit brauchen - völlig richtig. Aber wir werden wahrscheinlich vieles Herstellen und Dienste anbieten, die es noch nicht gibt. Kein Mensch hat das früher vorhergesehen. Und so wissen wir auch heute nicht was da morgen sein kann. Wer hat das Internet auf dem Schirm gehabt, wer die Möglichkeiten der Landwirtschaft Milliarden Menschen zu ernähren? Oder nehmen wir die Gentechnik, die quasi über Nacht Coronaimpfstoffe verfügbar machte.

      Ob wir schon heute zu viele Akademiker haben weiß ich nicht. Auf jeden Fall aber die Falschen. Und wir brauchen auch weiterhin Fachkräfte ohne Uniabschluß. Natürlich kann auch das Handwerk noch effizienter werden. Aber es fehlen eben schon heute Interessenten für diese Jobs. Ebenso Pflege, Sozialarbeiter, Bildung, IT sowieso. Also wahrscheinlich zeichnet ihr Blick in die Zukunft und auf die Gesellschaft auch ein komplett falsches Bild.

  4. Harald Stengl
    Harald Stengl · vor 18 Tagen

    Gehard Schröder, Walter Riester und Friedrich März hätte dieser Artikel gefallen. Die Zahlen sind ja auch nicht verkehrt aber als Freund von "Traue keiner Statistik die du nicht selber gefälscht hast" will ich im folgenden darzulegen, warum dieser Artikel ein komplett falsches Bild unserer Gesellschaft wiedergibt.

    Ich will mal mit der Frage beginnen, wer von uns kann den bei solchen Fragen konkreten Zahlen nennen? Insofern weichen Zahlenfragen immer signifikant von den tatsächlichen Werten ab.

    Aber schauen wir uns doch den Inhalt an.

    Die Zahl der Rentner die von Armut betroffen sind, ist natürlich niedriger als viele glauben. Wenn wir in Rente gehen, dann wird unsere Rente vom Betrag festgelegt. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 80 Jahren haben wir viele Rentner die bis 2005 / 2010 in Rente gingen und damit auch Ihre Rentenhöhe berechnet bekommen hat. Hinzu kommt das diese Rentner Ihre Rentenpunkte "über Arbeitseinkommen" zwischen 1960 - 2000 erworben hat.

    Bis Anfang der 00 Jahre bekammen die Renter ein Renten von ca. 70 % Ihres letzten Netto Einkommens. Dank rot/grün/schwarz bekommen die Rentner die heute in Rente gehen (sog. Neurentner) nur noch 48 %. Wir haben also in den Zahlen der Studie viele Renten die von den Rentenkürzungen noch gar nicht oder nur viel schwächer betroffen waren. Wenn man sich die Rentenhöhen der Neurentner anschaut, dann haben wir dort viel höhere Armutsquoten als bei den Durchschnitt der Rentner.

    Verschärfend kommt noch hinzu das insb. in den Ballungsgebieten die Mieten zum Teil massiv gestiegen sind. d.h. es bleibt für viele am Ende des Monats weniger Geld übrig.

    Ein lezter Aspekt. Es gibt in den Zahlen noch zwei "Berufs"Gruppe die die Zahlen nach oben ziehlt, weil diese sich selbst mit Sondernregelunge persönliche Vorteile verschaffen. Das sind die Beamten und Poliker. Ein Spitzenbeamter mit richtig guten Einkommen am Ende seines Berufslebens bekommt seine "Pension" nach den letzten 3 Jahren seines Berufsleben, also dann wenn er am meisten verdient. Wieviel er vorher verdient hat, spielt keine Rolle. Auch bekommt er selbstverständlich mehr als die 48 % seines Nettos die "Normalverdiener" bekommen. Die Politiker haben sich deshalb gerne an diese Regelung drangehängt.

    Zu ähnlichen Ergebnisse kommt man wenn man sich die Zahlen aus der Studie zum Arbeitsmarkt anschaut. Ich will nur am Rande erwähnen das bis in die 90er Jahre die Gewerkschaft stark genug waren gute Lohnabschlüsse durchzusetzen. Auch waren viele "Niedriglöhner" wie Putzkräfte in den div. Tarifverträge von IGMetall, ÖTV/Verdi mit drin, weil sie bei den jeweiligen Firmen angestellt waren. Heute gilt der Tarifvertrag nur noch für die Kernbelegschaften und die Zahl der Unternehmen mit Tarifbindung nimmt immer mehr ab. d.h. Gute Löhne sind seltener geworden.

    In der Folge haben wir heute einen Arbeitsmarkt der einen großen Niedriglohnsektor hat. Je nach Rechnung sprechen wir über ein Drittel aller Arbeitnehmer.

    Wenn man sich mal die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden anschaut, dann ist zwischen 2000 und 2017 die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nicht gestiegen. In der gleichen Zeit ist aber die Zahl der Arbeitslosen um fast 2 Mio gesunken. Das Rätsels Lösung ist eine verdopplung der Teilzeitarbeitsplätze in der gleichen Zeit. Teilzeit heist aber auch. Man hat entsprechend weniger Einnahmen zur Verfügung. Viele würde mehr arbeiten, wenn Sie entsprechende Jobs finden. Abbruch wg. begrenzt Zeichen

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 15 Tagen

      Hallo Herr Stengl, nur zur Info:
      "Würde man die derzeit geltenden Garantien für Ruheständler und Beitragszahler fortführen, geriete der Bundeshaushalt spätestens in den 2040er-Jahren in akute Schieflage – der Bundesfinanzminister müsste dann etwa die Hälfte seines gesamten Etats an die Rentenversicherung überweisen, damit die Senioren weiter pünktlich Geld erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium in einem noch unveröffentlichten Gutachten, welches der F.A.Z. vorab vorliegt.

      Dietrich Creutzburg
      Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

      Folgen

      „Das würde den Bundeshaushalt sprengen und wäre auch mit massiven Steuererhöhungen nicht finanzierbar“, warnt der Vorsitzende des Beirats, Ökonomieprofessor Klaus M. Schmidt von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die jüngere Generation muss wissen, mit welcher gesetzlichen Rente sie in Zukunft rechnen kann.“ Im Jahr 2019 flossen dem Gutachten zufolge 26 Prozent des Bundeshaushalts als direkte Steuerzuschüsse an die Rentenkasse. „Dieser Anteil müsste bis 2040 auf über 44 Prozent und bis 2060 auf über 55 Prozent ansteigen.“ Die Federführung der Expertise hatte Axel Börsch-Supan vom Münchner Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik.

      Die genannten Werte würden sich einstellen, falls die von der Regierungskoalition aus Union und SPD vorerst bis 2025 festgelegten „Haltelinien“ verlängert würden. Sie geben vor, dass der Rentenbeitragssatz nicht über 20 Prozent des Bruttolohns steigen darf. Zudem darf das sogenannte Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken; es setzt Renten von Durchschnittsverdienern ins Verhältnis zum Durchschnittslohn. Reicht der Höchstbeitragssatz nicht aus, um dieses Rentenniveau zu finanzieren, muss der Bundeshaushalt mit Steuermitteln einspringen. ….

      Der Ökonomen-Beirat zweifelt nun sogar an, ob es überhaupt möglich wäre, die bisherigen Haltelinien fortzuführen: Empirische Steuerforschung zeige, „dass das Potential für Einnahmesteigerungen unter plausiblen Annahmen nicht ausreichen würde, um die zur Defizitdeckung nötigen zusätzlichen Bundesmittel durch eine Erhöhung der Einkommensbesteuerung zu finanzieren“, so sein Gutachten."
      https://www.faz.net/ak...

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