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Volk und Wirtschaft

Volkswirtschaft, Politik und Virus – ein Balanceakt

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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Thomas WahlMittwoch, 01.04.2020

Erwartungsgemäß steigt die Flut der Artikel, die sich mit der Corona-Pandemie beschäftigen auch im Bereich der wirtschaftlichen und politischen Folgen. 

Im Wesentlichen laufen die Empfehlungen der Virologen, denen die Politiker aller Länder mehr oder weniger folgen darauf hinaus, 

... durch so­zia­le Di­stanz und eine zeit­wei­se Aus­trock­nung des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens die Aus­brei­tung des Virus zu ver­lang­sa­men. Ziel ist es, das Ge­sund­heits­sys­tem nicht zu über­las­ten und Zeit zu ge­win­nen, um Me­di­ka­men­te oder einen schüt­zen­den Impf­stoff zu fin­den und zu ent­wi­ckeln. Die Emp­feh­lun­gen set­zen viel Ver­trau­en in die Fä­hig­kei­ten der For­scher und der Po­li­tik vor­aus, als quasi wohl­mei­nen­de Dik­ta­to­ren Ri­si­ken zu er­ken­nen und rich­tig ein­zu­schät­zen.

Offensichtlich fällt es den Ökonomen schwerer abzuschätzen, wie einerseits die Folgen des Einfrierens sozialer und damit wirtschaftlicher Aktivitäten aussehen und was man andererseits tun sollte, um das Einbrechen der Wirtschaft zu minimieren. Immerhin gibt es Konzepte sowie eine kleinere Zahl von Studien, auf die man zurückgreifen kann. Klar ist, 

... dass es immer einen Ge­gen­satz geben werde zwi­schen Pan­de­mie­be­kämp­fung und wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung. Der Ge­dan­ken­gang ist leicht nach­zu­voll­zie­hen. Kom­men immer mehr Men­schen aus Angst vor dem Virus immer sel­te­ner zu­sam­men, dann gibt es we­ni­ger In­fek­tio­nen. Doch zu­gleich schrumpft die Pro­duk­ti­on, und es sinkt die Nach­fra­ge nach Gü­tern.

Eine Analyse der "Spanischen Grippe", die vor etwa 100 Jahren mehr als 50 Millionen Opfer forderte. Da zeigten die Städte, die sich der Pandemie schnell und entschlossen entgegenstellten, einen geringeren Einbruch ihrer Wirtschaften.

Den Grund muss man wohl darin ver­mu­ten, dass ein schnel­les Ein­grei­fen we­ni­ger Men­schen­le­ben kos­te­te und so spä­ter eine schnel­le­re Wie­der­be­le­bung der Wirt­schaft er­mög­lich­te.

Andere Ökonomen warnen vor den langfristigen Folgen, die daraus entstehen könnten, dass der Staat seinen gewonnenen Einfluss auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse nicht gern wieder abgibt:

Po­li­tik und Bü­ro­kra­tie in de­mo­kra­ti­schen Staa­ten haben noch keine Krise als Chan­ce aus­ge­las­sen, um ihren Ein­fluss auf das Leben der Bür­ger zu wei­ten. Der ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom und His­to­ri­ker Ro­bert Higgs be­schrieb das vor mehr als drei­ßig Jah­ren in sei­ner Stu­die „Krise und Leviathan“ als Sperr­klin­ken­ef­fekt ...

Auch die Bürger werden zukünftig öfter fordern, dass ihre Regierungen viele Prozesse detaillierter sowie ausgiebiger steuern und verantworten. 

Wenn Öf­fent­lich­keit und Bü­ro­kra­tie sich erst ein­mal an die schein­bar faire und effektive Pan­de­mie­be­wirt­schaf­tung von Ge­sichts­mas­ken, me­di­zi­ni­schem Gerät und viel­leicht gar Le­bens­mit­teln ge­wöhnt haben, wer­den sie dann nach der Krise wie­der der frei­en Markt­wirt­schaft Vor­rang geben? 

Auch viele Parlamentarier können sich an das Verteilen von Finanzhilfen gewöhnen, es gibt sicher ein gutes Gefühl. Der ungarische Weg von Viktor Orbán ist sicher das extremste Beispiel, verdeutlicht aber, das eine Pandemie keine gute Zeit für die Freiheit ist. Wollen wir das wirklich? Hier sollten wir genau hinschauen.

Wie es in Deutschland weitergehen könnte, das zeigt ein Interview mit dem "Wirtschaftsweisen" Volker Wieland ebenfalls in der FAZ (leider kostenpflichtig). Er bezieht sich dabei auf das jüngste Sondergutachten des Sachverständigenrates zur wirtschaftlichen Auswirkung der Corona-Krise. Erwartungsgemäß heißt es, je länger, je schlimmer:

Wir vom Sachverständigenrat haben in unserem Sondergutachten verschiedene Szenarien durchgerechnet. Im Basisszenario, mit fünf Wochen Stillstand und danach zwei Wochen Erholung, kommen wir fürs zweite Quartal auf einen Einbruch der Wirtschaft etwa in der Größenordnung wie in der Finanzkrise 2009 – und fürs Jahr gerechnet auf eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um etwa 2,8 Prozent. Wenn es schlimmer kommt, und wir sieben Wochen Stillstand haben mit drei bis vier Wochen Erholung, wird der Einbruch aber überproportional stärker.

Das gilt wohl besonders für Dienstleistungen in Hotels und Gastgewerbe, in der Reisebranche, der Luftfahrt oder auch für den Unterhaltungssektor. Die Produkte der Industrie, Autos oder Waschmaschinen, kann man später noch nachproduzieren. Was heute im Restaurant nicht gegessen wird, ist verlorenes Geschäft.

Volkswirtschaft, Politik und Virus – ein Balanceakt

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