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Volk und Wirtschaft

Stagnierende Arbeitsproduktivität – die Herausforderung

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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Thomas WahlDonnerstag, 14.10.2021

Die angeblich schnell steigende Arbeitsproduktivität gilt als Schlüssel für die Zukunft, um – trotz demographischer Probleme – steigende Löhne zusammen mit u.a. guten Renten zu finanzieren. Ein Versprechen, das vor 10 Jahren mit der Vision von "Industrie 4.0" eingelöst werden sollte. 

Es gehe darum, in Wertschöpfungsprozessen eine Brücke zwischen virtueller und dinglicher Welt entstehen zu lassen und den industriellen Transformationsprozess in Richtung „noch stärkerer Automatisierung“ voranzutreiben. Hinzu komme nun „die Entwicklung intelligenter Überwachungs- und autonomer Entscheidungsprozesse, ... um Unternehmen und ganze Wertschöpfungsnetzwerke in nahezu Echtzeit steuern und optimieren zu können.“

Aber wuchs die Produktivität auch wirklich entsprechend? Leider nein.

Anscheinend gelte aber immer noch das Produktivitätsparadoxon des US-Ökonomen Robert Solow. Der hatte schon 1987 festgestellt: „Sie können das Computerzeitalter überall sehen, außer in der Produktivitätsstatistik.“ Der Sachverständigenrat Wirtschaft hat in seinem letzten Jahresgutachten festgehalten, dass sich der Produktivitätszuwachs in den Industriestaaten in den zehn Jahren bis 2018 verlangsamte. In Deutschland ist die Arbeitsproduktivität im produzierenden Gewerbe 2019 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,1 Prozent gesunken, im Dienstleistungsbereich nur um 0,7 Prozent gestiegen.

Der Fünfjahresdurchschnitt beim Produktivitätswachstum der Gesamtwirtschaft lag z.B. in Deutschland zwischen 2015 und 2018 nur noch bei 1%. (1995-2000 bei 1,8%). Erwartet wurde eigentlich seit Jahrzehnten eine schnell steigende Effektivität der Wirtschaft durch Computer, Internet und Automatisierung. 

Tatsächlich hat sich die Arbeitsproduktivität in Deutschland seit den 1970er Jahren immer schwächer entwickelt. Nachdem es der Industrie seinerzeit noch gelang, innerhalb einer Dekade die Arbeitsproduktivität um etwa 50 Prozent zu steigern, reduzierte sich der Produktivitätsfortschritt auf nur noch etwa 30 Prozent in den folgenden Jahrzehnten. Seit 2011, dem virtuellen Startschuss der vierten industriellen Revolution, hat die Industrie bis Ende 2017, also kurz vor dem Beginn der Industrierezession in Deutschland, nur noch knapp 9 Prozent erreicht. Bis 2020 ist dieser minimale Anstieg, infolge eines eingetretenen Produktivitätsrückgangs, jedoch fast vollkommen zunichte gemacht worden.
Also, die für frühere industrielle Revolutionen typische Steigerung der Arbeitsproduktivität ist in den meisten Industriebranchen bis heute ausgeblieben. Die Volkswirte diskutieren diese kontraintuitive Entwicklung schon länger und führen verschiedene Gründe an. Von Messfehlern, über langsame Lernprozesse bis hin zum wachsenden, wenig produktiven Dienstleistungssektor – die Erklärungen bleiben unbefriedigend. Alexander Horn führt hier eine weitere Hypothese an:
Die Digitalisierung der Produktion, führt nicht zwangsläufig zu Produktivitätszuwächsen. Die Digitalisierung ineffizienter Prozesse führt zu ineffizienten digitalen Prozessen.

Gerade für ein Hochlohnland wie Deutschland ist die Produktivität ein entscheidender Faktor um in der Zukunft die Energiewende zu realisieren und Wohlstand zu erhalten. Richtig erscheint mir:

So zielen viele Digitalisierungsprojekte ausschließlich darauf ab, die Komplexität von Produktions- und Logistikstrukturen mit Hilfe mächtiger IT-Werkzeuge zu beherrschen. Oft wird nicht der Versuch unternommen, die Komplexität der Abläufe zunächst durch Veränderungen der physischen Prozesslandschaft zu reduzieren, also leichter beherrschbar zu machen. Man glaubt, mit Hilfe von IT-Lösungen den einfachen Weg gehen zu könne ..

Es gilt also zunächst bzw. gleichzeitig die physische und logistische Komplexität unserer Produktion, Dienstleistungen und Institutionen zu reduzieren. Neue integrierte Produktionstechnologien, schlanke Logistik, schnelle Entscheidungsverfahren – und das weitgehend digitalisiert – könnten die Produktivität wieder steigen lassen. Ein Vorschlag (nicht nur) für Deutschland könnte daher auch der Ansatz von Armin Nassehi sein:

Eine der wichtigsten Technologien, um der CO2-Neutralität näher zu kommen, ist vielleicht wirklich die Verkürzung von Verwaltungsverfahren. Es geht nicht darum, Infrastrukturprojekte autoritär durchzusetzen oder Menschen das Recht zu nehmen, Einwände geltend zu machen. Aber die Frage lautet schon: Ist unsere Gesellschaft noch darauf eingerichtet, Großprojekte wie eine Stromtrasse von der Nordsee nach Bayern zu bauen?


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