Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Volk und Wirtschaft

Frank Lübberding
piqer: Frank Lübberding
Mittwoch, 06.02.2019

Ordoliberalismus oder Staatsinterventionismus?

Deutschland hatte Anfang der 1990er Jahre drei zentrale Krisen zu bewältigen. Das waren die Kosten der deutschen Einheit, die Europäisierung mit der Integration Osteuropas in den Binnenmarkt und die Globalisierung. Letztere hatte zwei Faktoren: die Internationalisierung der Finanzmärkte und realwirtschaftlich die Integration Asiens (und somit Chinas) in die Weltwirtschaft. Diese Krisen kumulierten 1992/93 zur existenzbedrohenden Krise des deutschen Produktionsmodells. Zentrale Sektoren unserer Industrie gerieten gleichzeitig in die Krise: Automobil - und Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Pharma. In diesen Sektoren blieb kein Stein auf dem anderen. Das betraf keineswegs nur Konzerne wie Volkswagen oder Siemens. Der Strukturwandel setzte den klassischen Mittelstand unter bisweilen dramatischen Anpassungsdruck. Den gab es auch für das deutsche System der industriellen Beziehungen. Damals hofften nicht wenige Neoliberale auf sein endgültiges Ende. Tatsächlich bewies es seine Funktionsfähigkeit. Der Staat begleitete den Strukturwandel vor allem sozial- und strukturpolitisch. Vor 25 Jahren war allerdings schon der Bedeutungsverlust der Großbanken in den industriellen Restrukturierungsprozessen erkennbar. Die deutsche Industrie lebt bis heute von der erfolgreichen Verarbeitung dieser Krise. "Diversifizierte Qualitätsproduktion" ist das Stichwort. Das setzt funktionierende Kooperationsbeziehungen auf allen Ebenen voraus - und schafft zudem erst die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Industriepolitik bedeutete bei uns gerade nicht die französische Planification oder die Steuerung über ein allmächtiges Miti wie in Japan. Der Glaubenskrieg ordoliberaler Gralshüter gegen den vermeintlichen Staatsinterventionisten Peter Altmaier ist daher die falsche Frontstellung. Das Problem seines Papiers ist vielmehr die erkennbare Unkenntnis über die Stärken unseres Industriemodells. Dort müsste eine Industriepolitik ansetzen, wenn sie Sinn machen soll.        

Ordoliberalismus oder Staatsinterventionismus?
7,1
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!