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Volk und Wirtschaft

Frank Lübberding
Journalist und Autor
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piqer: Frank Lübberding
Dienstag, 16.04.2019

Ökonomie des Spendens

Jeder war fassungslos, als er gestern Abend die ersten Nachrichten hörte. Der Brand eines der Wahrzeichen von Paris bewegte die Menschen. Notre-Dame gilt schließlich als eines der wichtigsten Symbole Frankreichs. Hier soll es jetzt nicht um die journalistische Frage der Berichterstattung von ARD und ZDF gehen. Über den kulturhistorischen Hintergrund dieser Katastrophe und die anzunehmenden Folgen berichtet Don Alphonso. Hier geht es um die Magie der großen Zahlen. Gestern Nacht hat François-Henri Pinault im Namen seiner Familie eine Spende von einhundert Millionen Euro zum Wiederaufbau der Kathedrale zugesagt. Die Familie kontrolliert den Luxusmodekonzern Kering. Heute Morgen kündigte LVMH mit der Familie Arnault sogar eine Spende von zweihundert Millionen Euro an. Nur wie kommen beide eigentlich auf diese Zahlen? Bisher gibt es weder eine Schadensaufnahme,  noch eine Vorstellung über die Kosten für den Wiederaufbau der Kathedrale. Hundert Millionen sind somit kaum mit dem Ereignis selbst zu erklären, sondern eher mit der Ökonomie des Spendens. Sie erfüllen als Zeichen der Generosität und patriotischer Verantwortung den gewünschten Zweck. Mit zweihundert Millionen verhindert man in diesem Wettbewerb nur noch ins Abseits zu geraten. Anschließend kommt sogar der Staat mit der Zusage von insgesamt sechzig Millionen Euro unter Zugzwang. Angesichts solcher Summen wird ein Wiederaufbaufonds erst einmal zur Investmentbank. Damit setzen die Familien Pinault und Arnault zudem ein fatales Signal, wenn es um den Wiederaufbau als nationales oder europäisches Projekt geht. Wer spendet angesichts solcher Größenordnungen noch die berühmten zehn Euro? Sie erscheinen erst unbedeutend, weil die Pinaults und Arnaults ihre Bedeutung symbolisch dokumentieren wollten. Sie hätten übrigens einen anderen Weg gehen können: Jenen ohne Publicity, dafür mit dem Versprechen des langen Atems in den harten Jahren des Wiederaufbaus. Aber das passte scheinbar nicht zur Ökonomie des Spendens.

Ökonomie des Spendens
7,1
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Kommentare 3
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor etwa einem Monat ·

    Wer sich wundert: Der Link führt zu einem Ticker. Gut möglich, dass die Box mit den Infos zur Spendenhöhe in ein paar Stunden schon weit nach unten gerutscht ist.

    1. Frank Lübberding
      Frank Lübberding · Erstellt vor etwa einem Monat ·

      Richtig. Hoffentlich bleibt wenigstens die Summe für den Wiederaufbau ... .

    2. Frank Lübberding
      Frank Lübberding · Erstellt vor etwa einem Monat ·

      Jetzt auch der link zu einem aktuellen FAZ-Artikel im Text.