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Volk und Wirtschaft

Antje Schrupp
Politikwissenschaftlerin, Journalistin
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piqer: Antje Schrupp
Mittwoch, 11.07.2018

Kapitalismus als permanente Selbsttäuschung

Der Kapitalismus und seine Dynamiken als wirtschaftliches Grundprinzip sind schon länger in der Kritik, doch es fehlt an Ideen, wie man ihn nachhaltig verändern oder gar abschaffen könnte. Mit der Globalisierung hat sich das noch verstärkt, weil die Prinzipien von Effizienz- und Profitsteigerung inzwischen auch in die letzten Winkel der Erde vorgedrungen sind.

Der Soziologe Jens Beckert hat jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem er zeigt, wie sehr der Kapitalismus auf Illusionen und eine "imaginierte Zukunft" (so der Titel) angewiesen ist. Ein weiterer Baustein in der Dekonstruktion des "homo oeconomicus", also jenes vorgestellten rational wirtschaftenden Menschen, von dem die kapitalistischen Wirtschaftstheorien ausgehen, den es aber in Wirklichkeit eben nicht gibt. 

Die Kritik an diesen Illusionen - zum Beispiel den Glücksversprechen des Konsums - ist natürlich nicht neu. Aber seit der Finanzkrise und den zunehmenden weltweiten politischen Instabilitäten stellt sich die Frage immer konkreter, was passieren würde, wenn das System tatsächlich kollabiert. Das Bild, das Beckert für die Situation, in der wir uns befinden, wählt, trifft es wohl tatsächlich auf den Punkt: Wie ein rollendes Fahrrad muss sich der Kapitalismus immer weiter bewegen, sonst fällt er um. Und das ist kurzfristig eben für die Radlerin noch schlimmer als das Weiterfahren - auch wenn es auf den Abgrund zugeht.

Kapitalismus als permanente Selbsttäuschung
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Kommentare 3
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor 7 Tagen

    Finde insbesondere was er zum Thema "Zukunftsnarrative" sagt spannend. Ich frage mich das oft beim Medienkonsum. So gerne ich Sendungen wie "Black Mirror" gucke, frage ich mich jedes Mal, was es mit einer Gesellschaft macht, wenn ihr nur noch Dystopien gezeigt werden. Gefühlt war für mich die letzte Erzählung mit einer positiven Utopie Star Trek: The Next Generation.

    1. Jonathan Cragg de Mark
      Jonathan Cragg de Mark · vor 7 Tagen

      Yuval Harari (Autor von Homo Deus) schreibt in seinem Buch explizit, dass eine der wichtigsten Dinge des 21. Jhds. die Schaffung neuer Narrative (er nennt es Fiktionen) sein wird.
      Am Beispiel der Radfahrerin: was könnte sie denn tun? Eigentlich muss sie sich nur zutrauen anzuhalten und dann innehzuhalten, wohin sie eigentlich radeln will... oder vielleicht braucht sie das Rad ja gar nicht? Wer weiss was es noch so gibt, wenn man aus dem "Tunnelblick" des Radfahrens mal "ausbricht"... :)

  2. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 4 Tagen

    „Wir müssen also hoffen, dass unsere permanente Selbsttäuschung noch möglichst lange anhält?
    Im Grunde ja. Vielleicht steuern wir tatsächlich auf ein No-Growth-Szenario zu, für das man aus ökologischer Sicht viele Sympathien haben kann. Aber für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt wäre das eine Katastrophe.“ Wer will schon Katastrophen?