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Volk und Wirtschaft

Christian Odendahl
Wirtschaftspiqster
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piqer: Christian Odendahl
Montag, 09.05.2016

IWF will Reformen in Deutschland

Die sogenannten "Article IV consultations" des IWF sind oft sehr interessante Dokumente: in ihnen stellt ein Team von IWF-Ökonomen Ländern jedes Jahr ein Zeugnis aus. Da der IWF sozialistischer Umtriebe unverdächtig ist, und auch sonst nicht für Gefälligkeitsgutachten bekannt ist, sollten diese Zeugnisse auch in Deutschland Beachtung finden.

Der gepiqde Text ist nicht der Article IV Report selbst (der hat oft hunderte von Seiten und ist noch in Arbeit), sondern die sneak preview: die Ergebnisse der IWF fact finding mission nach Berlin. Der IWF will...

  • Mehr Kinderbetreuung und weniger Ehegattensplitting
  • Mehr Investitionen in Infrastruktur
  • Mehr Reformen im Dienstleistungssektor
  • Höheres Renteneintrittsalter
  • Mehr Grundsteuer und weniger Grunderwerbssteuer

Insgesamt sehr interessant zu lesen.

PS: Das Vokabular aus der Schule, wie "Hausaufgaben" und "Zeugnisse", halte ich in der ökonomischen Debatte eigentlich für ausrottungswürdig. Allerdings benutzen Vertreter Deutschlands sie so gerne für andere Länder, da ist es hier passend.

IWF will Reformen in Deutschland
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Kommentare 7
  1. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

    Habe heute im Handelsblatt darüber gelesen.
    Der IWF fordert unter anderem dass in Deutschland für Ehegatten kein Krankenversicherungsschutz besteht wenn diese nicht arbeiten. Auch die Forderung nach der Abschaffung des Ehegattensplittings finde ich schon bemerkenswert.

    In dem Bericht ist übrigens nicht die Rede von einem höheren Renteneintrittsalter sondern von einer längeren Lebensarbeitszeit! Also Kinderarbeit oder arbeiten bis 70....

    Was eine höhere Grundsteuer bringen soll bei gleichzeitiger Absenkung der Grunderwerbssteuer kann man sich auch denken, das begünstigt kurzfristige Spekulationen auf Immbobilien und verbilligt den Kauf in Städten bzw. Hotspots. Die dummen sind diejenigen die Ihr ganzes Leben in einem Haus wohnen und die Mieter denen man super die Grundsteuer auf die Nebenkostenabrechung schreiben kann.

    Sry aber dieser Report vom IWF gehört in den Kamin, nicht ins Kanzerlamt.

    1. Christian Odendahl
      Christian Odendahl · vor mehr als einem Jahr

      Da schmeißt Du aber einiges durcheinander.

      Längere Lebensarbeitszeit muss nicht verpflichtend sein, sollte aber nicht aktiv blockiert werden, wie zur Zeit. Viele in Teilzeit würden gerne Vollzeit arbeiten etc.
      Freie Krankenversicherung für Ehepartner zahlen übrigens Singles, keine Ahnung, was daran gut sein soll, und halten gleichzeitig den Zweitverdiener vom Arbeiten ab. Das gleiche gilt für das Ehegattensplitting, was zudem die Verhandlungsposition des Zweitverdieners in der Ehe schwächt, wenn es um Aufteilung von Hausarbeit und Erwerbsarbeit geht.

      Um im Bilde zu bleiben: Dein Kommentar gehört in den digitalen Kamin. :)

    2. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      @Christian Odendahl Ich sehe da jetzt wenig Entkräftung in Ihrer Aussage. Was bitte soll daran gut sein wenn eine junge Familie in der die Mutter sagen wir mal bis das Kind 3 Jahre ist zuhause bleibt, noch mit zusätzlichen Krankenversicherungsbeiträgen belastet wird? Wer soll die bezahlen, das Einkommen ist doch sowieso schon dann eingebrochen? Noch höhere Belastung für Junge Familien, das finden Sie gut?

      Warum Singles dass jetzt bezahlen erschließt sich mir nicht. Die Frau hat doch gegebenenfalls selbst Jahre und Jahrzehnte gearbeitet. Der Ehepartner zahlt weiter KV-Beiträge dafür.Selbst wenn sich rechnerisch eine Mehrbelastung dadurch für Singles ergibt, so ist dies durchaus von der Gesellschaft/Politik erwünscht. Ich sehe da keinerlei Vorteile.

      Auch Ihre Argumente zum Ehegattensplitting kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt die Option auf das Faktorverfahren was gleichheit herstellt wenn gewünscht. Da hat man ja die freie Wahl. Niemand zwingt einen in 5 und 3.

      Warum die "Verhandlungsposition" meiner Frau nun schwächer sein soll bzgl Erwerb und Haushalt wegen der Steuerklasse kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Vielleicht erläutern Sie dazu etwas näher.

    3. Christian Odendahl
      Christian Odendahl · vor mehr als einem Jahr

      @Gurdi (Krauti) Also bei Unterstützung von Familien laufen Sie bei mir offene Türen ein. Aber die umsonst Versicherung für nicht-arbeitende Ehe(!)partner hat mit Unterstützung von Familien erstmal nichts zu tun. Und da die Krankenkassen finanziert sein müssen, zahlen dafür alle mit ihren Beiträge, insbesondere Singles, die davon nicht profitieren. Es ist eine Regelung aus der 1950er Jahren, wo Ehe = Hausfrau und Kinder war.

      Was die Lohnsteuerklassen 3 & 5 bzw. 4 & 4 angeht, die Sie ansprechen: ob Sie die Lohnsteuer (was eine Erhebungsform der Einkommenssteuer ist und keine eigene, echte Steuer) im Faktorverfahren oder nicht machen, spielt für die ökonomischen Anreize der Einkommenssteuer keine Rolle. Es sieht nur gleicher aus. Rechnen Sie einfach mal aus, was passieren würde, wenn Ihre Frau oder Ihr Mann nicht arbeiten würde. Und aus diesen ökonomischen Anreizen entsteht auch die Verhandlungsposition innerhalb von Familien.

    4. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      @Christian Odendahl Was schwebt Ihnen denn als Ersatz für dass Ehegattensplitting vor? Es bringt tatsächlich nur etwas mehr in der Kasse wenn der Ehepartner nicht arbeitet oder unter dem zu versteuerndem Einkommen bleibt, dass ist mir bewusst.

      Es stellt aber auch andererseits die Anderen nicht zwangsläufig schlechter da. Ich habe nichts gegen Steuervereinfachungen, es ist z.B. schon eine frechheit des Staates zuviel eingezogene Steuern nicht zurück zu erstatten wenn jemand keine Steuererklärung macht. Kriegt der Staat aber absehbar etwas wird derjenige zur Steuererklärung verpflichtet. In anbetracht dass so etwas in den Schulen nicht vermittelt wird, eigentlich ein Skandal.

    5. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      @Gurdi (Krauti) Nachtrag:
      es ist ja schön und gut wenn Leute die noch fit sind länger arbeiten möchten. Ich sehe dazu aber wenig nutzen, viel Bürokratie und weitere Hemmnisse für die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Statt dass man Anstrengungen unternimmt in einem wohlhabenden Land wie diesem neue fachkräfte heranzubilden, sollen die alten weiter genutzt werden. Was hat die Gesellschaft davon? Wo soll bitte der nutzen im BIP sein.

  2. Georg Wallwitz
    Georg Wallwitz · vor mehr als einem Jahr

    Leider sind wir derzeit wohl zu selbstgefällig, um irgendwelche Reformen anzugehen. Wir sonnen uns im Erfolg, bis wir wieder im Regen stehen ...